Der Tumornekrosefaktor ein Baustein der biologischen Tumorabwehr

Dr. med. Klaus Mohr


Noch immer werden die Eigenkräfte des Organismus zur Tumorabwehr von der offiziellen Medizin wenig beobachtet. Die systematische Förderung dieser Eigenkräfte zur Tumorprophylaxe oder -therapie wird (offiziell) kaum praktiziert.

Allerdings haben inzwischen einige medizinische Forscher erstaunlich differenzierte Erkenntnisse zur biologischen Tumorabwehr erarbeitet. Eine Schlüsselsubstanz scheint der Tumornekrosefaktor (TNF) zu sein. Wir wollen unsere Leser über den Stand der Dinge informieren.

Am Anfang dieser Erkenntnisbildung stand die Beobachtung:

Wenn tumorkranke Patienten sich eine fieberhafte Infektion mit Bakterien, vor allem mit Streptokokken, zugezogen hatten, konnte es zur Rückbildung der Tumoren kommen.

Aufgrund dieser Beobachtungen entwickelte bereits im vorigen Jahrhundert der Chirurg William Coley eine Art Serum aus aufgelösten erysipelbildenden Streptokokken (Erreger der Wundrose) und einer Bacillus-Art. Trotz beachtlicher Heilungserfolge bei etlichen seiner Patienten geriet die Methode neben den neu aufgekommenen Möglichkeiten der eingreifenden Tumorbekämpfung, aber auch wegen der z.T. erheblichen Nebenwirkungen der "Bakteriensuppe", später in Vergessenheit.

Jahrzehnte später, in den dreißiger und vierziger Jahren unseres Jahrhunderts, fanden Gartia und Mitarbeiter heraus, daß Zellbestandteile von gramnegativen Bakterien (sogenannten Endotoxine), in Tumorgewebe injiziert, Nekrosen (Gewebszerfall) auslöst. Dieser Tumorzerfall wird (wie spätere Untersuchungen zeigten) nicht durch das Endotoxin selber, sondern durch körpereigene Faktoren bewirkt, die u.a. in Milz und Leber gebildet werden. Das bakterielle Endotoxin regt die Bildung dieser körpereigenen tumorabwehrenden Faktoren an. Sie wurden als Tumornekrosefaktor (TNF) bezeichnet.

Der Tumornekrosefaktor gehört zu den Zytokinen. Zytokine sind Botenstoffe der Körperzellen. Sie übertragen sozusagen Befehle einer Zelle an andere Zellen. Von ihrer Struktur her sind die Zytokine Polypeptide (Eiweißstoffe): Das TNF-Molekül besteht aus 157 Aminosäuren, deren Sequenz (Bauplan) vor knapp 10 Jahren aufgeklärt wurde. Gebildet wird der Tumornekrosefaktor von weißen Blutkörperchen, den Makrophagen (TNF-a ) und Lymphzellen (TNF-b ) sowie von weiteren immunkompetenten Zellen in Leber und Nieren, in den Gaumenmandeln und im Zentralnervensystem. Unterstützt wird die TNF-Wirkung von weiteren Zytokinen, den sogenannten Interleukinen (IL).

Angeregt wird die Bildung der Tumornekrosefaktoren von bestimmten Bakterienwand-Bestandteilen und Tumorzellen (deshalb wurden die TNF-Spiegel zeitweise als - unsichere - Marker für Tumorkrankheiten angesehen), aber auch von Echinacea-Präparaten, Enzymen (Bromelain - aus der Ananas) und von Mistel-Präparaten.

Die Wirkung des Tumornekrosefaktors besteht in der Auflösung von TNF-empfindliche Zellen. Empfindlich sind die Zellen von knapp zwei Drittel aller Tumoren.

Unempfindlich gegenüber dem Tumornekrosefaktor sind praktisch, alle gesunden Zellen, sowie leider - die Zellen von knapp 40 Prozent der Tumoren. Deshalb kann der Tumornekrosefaktor kein Allheilmittel sein. Die Wirksamkeit des TNF hängt ab von der Empfindlichkeit des Gewebes (empfindlich sind Ausgangstumorgewebe aus Haut-, Lungen-, Leber-, Darm-, Nieren- und Bindegewebszellen) sowie von der Abwesenheit von Schutzproteinen auf der Zelloberfläche. Derartige Schutzproteine gegenüber TNF werden sinnvollerweise von allen gesunden Körperzellen und - leider - auch von den Zellen einiger Tumorgewebe produziert. Körperzellen, die Schutzproteine bilden, sind unempfindlich gegen den Tumornekrosefaktor.

Weitere Zytokine, vor allem das Gamma-Interferon, aber auch die Interleukine 1b und -6 verstärken jedoch die TNF-Wirkung. Darüber hinaus kann der Tumornekrosefaktor mittels Verlegung von zuführenden Blutgefäßen auch TNF-resistente Tumoren zur Einschmelzung bringen, nicht aber gesunde Gewebe. Außerdem fördert der Tumornekrosefaktor die Bildung von natürlichen Killerzellen (speziellen Lymphzellen). An deren Oberfläche gebunden, wird ihre tumorzellauflösende Wirkung verstärkt.

Bei diesen Befunden lag es nahe, den (rekombinant synthetisierten) Tuffiornekrosefaktor therapeutisch dem erkrankten oder gefährdeten Organismus zuzuführen. Leider haben-derartige Versuche keine befriedigenden Ergebnisse erbracht, weil

  • die Wirkdauer von zugeführtem "synthetischen" TNF sehr kurz ist (Haltwertszeit 6-30 Min).
  • zugeführte Dosierungen schon im 100-Mikrogramm Bereich schlecht verträglich sind
  • zugeführtes TNF sich nicht in den tumorbekämpfenden weißen Blutkörperchen anreichert
  • zugeführtes TNF gerade bei Tumorkranken bereits im Serum gebunden und damit ineffektiv wird.

Aus den genannten Gründen, wegen ausbleibender Therapieerfolge, wurde die Zufuhr des TNF von außen bald wieder verlassen, obwohl bei einer großen Zahl von Tumoren theoretisch gute Wirkungen zu erwarten gewesen wären.

Als Alternative zur bisher leider erfolglosen künstlichen Zufuhr bleibt für diesen körpereigenen Wirkstoff die Förderung der Eigenproduktion sinnvoll. Damit werden die wichtigsten Mißerfolgsursachen äußerer Zufuhr umgangen.

Bleibt die Frage: Wie kann die sinnvolle TNF-Eigenproduktion gefördert werden? Natürliche Mittel wie Echinacea- und Mistel-Produkte, Enzyme und Streptokokkenpräparate fördern die TNF-Bildung, idealerweise am richtigen Ort. Die therapeutische Option sollte nicht vernachlässigt werden.

Meine Ideale, die mir voranleuchten und mich mit frohem Lebensmut immer wieder erfüllten, waren Güte, Schönheit und Wahrheit

Albert Einstein

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