Dickdarmpolypen - Risikosenkung durch antioxidative Vitamine

Dr. med. Klaus Mohr


Polypen der Dickdarmschleimhaut sind gefürchtet wegen der Gefahr ihrer Entartung zu Karzinomen (Dickdarmkrebs).

Schon länger ist bekannt, daß eine Ernährungsart, die arm ist an Pflanzen(-fasern) und statt dessen reich an Schlachtprodukten, das Auftreten von Dickdarmpolypen begünstigt. Dazu kommt eine gewisse erbliche Veranlagung für die Entstehung polypöser Wucherungen.

Weiterhin sind Patienten, die bereits einmal Dickdarmpolypen hatten, besonders gefährdet, erneut derartige Wucherungen zu entwickeln.

An 209 Patienten dieser Hochrisikogruppe wurde untersucht, wie weit die Gefahr durch die Vitamine A, C und E oder durch Lactulosegaben gesenkt werden kann, bzw. wie groß das Rezidivrisiko ohne spezifische Intervention ist (M. Ponz de Leon u. Mitarb., Diseases of Colon and Rectum 36, 1993, 227).

Bei allen diesen Patienten war bereits ein Dickdarmpolyp aufgetreten und endoskopisch entfernt worden.

Danach erhielten 70 Patienten (von 209) täglich 30.000 IE Vitamin A, 70 mg Vitamin E sowie 1000 mg (1 g) Vitamin C.

Alternativ bekamen 61 weitere Patienten nach Entfernung eines Dickdarmpolypen 20 g Lactulose (einen Zweifachzucker, der dem Milchzucker ähnlich ist) pro Tag.

Die weiteren 78 Patienten der Untersuchungsgruppe blieben ohne derartige biologische Rezidivprophylaxe. Bei diesen Patienten wurde innerhalb des Beobachtungszeitraumes von 2 Jahren bei 28 Patienten, also bei 36 %, ein erneutes Adenom gefunden.

Dagegen trat nur bei 4 von 70 Patienten der Vitamingruppe (entsprechend 5,7 %), bzw. bei 9 von 61 Patienten der Lactulosegruppe (entsprechend 14,8 %) ein Rezidiv im Beobachtungszeitraum auf.

Diese Zahlen sind überzeugend:

Unabhängig von weiteren Faktoren, wie den Ernährungsgewohnheiten, erweist sich die Prophylaxe mit hochdosierten Vitaminen als sehr erfolgreich. Offensichtlich schützen diese Vitamine - in Dosierungen, die deutlich über den von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Zufuhrmengen liegt - vor übersteigerter Zellproliferation. Da diese Vitamine auch die Gefäßwände vor Degeneration bzw. Arteriosklerose schützen, ist hinsichtlich der optimalen Dosierung sicherlich ein Umdenken (zugunsten der genannten, höheren Zufuhrmengen) sinnvoll - für den gesamten Organismus.

Die Lactulose hat einen anderen örtlichen Wirkungsmechanismus: Sie wird im Dünndarm kaum resorbiert und gelangt so in den Dickdarm. Dort wird sie von intakter Darmflora zu kurzkettigen Säuren und Kohlendioxid abgebaut: infolge des pH-Wert-Abfalls (auf Werte unter 6) wird dann der Abbau von Gallensäuren blockiert.

Andernfalls entstehende sekundäre Gallensäuren stellen einen wichtigen Risikofaktor für Dickdarmkrebs dar.

Da den genannten Vitaminen und der Lactulose unterschiedliche Wirk- (und Schutz-)prinzipien zugrunde liegen, ist von der Kombination dieser Substanzen eine noch weitergehende Schutzwirkung zu erwarten als von den Einzelkomponenten.

Zum Schutz für Gesunde dürfte statt der Lactulose auch der Milchzucker ausreichend sein: Milchzucker wird bei Erwachsenen nur teilweise resorbiert und gelangt so zumindest teilweise in den Dickdarm, als Substrat für die Milchsäurebildung, somit als Schutz vor dem krebsbegünstigenden Gallensäureabbau.

Der Vorteil des Milchzuckers ist in der weiteren, preiswerteren Verfügbarkeit und der möglichen Anwendung, z.B. als nicht zu stark süß schmeckender Zusatz im Tee oder Müsli, zu sehen. Der bekannten Milchzuckerunverträglichkeit liegt als Ursache fehlende Resorption (eigentlich erwünscht) durch Lactasemangel mit gleichzeitig unadaptierter Darmflora zugrunde. Deshalb sollte ein allmählicher Dosisaufbau, beginnend mit einem halben Teelöffel pro Tag und mit zunehmender Verträglichkeit steigernd bis auf 4-5 Teelöffel pro Tag vorgenommen werden.

Bei physiologisch geringer Resorptionsquote können übrigens auch Diabetiker Milchzucker verwenden. Im Einzelfall kann die Resorptionsquote bzw. Toleranz durch Blutzuckermessung ein und zwei Stunden nach Gabe einer Milchzuckerlösung überprüft werden: fehlender oder nur geringer Blutzuckeranstieg nach 50 g Lactulose. Wenn ein stärkerer Blutzuckeranstieg (über 20-30 mg/dI) erfolgt, sollten Diabetiker Milchzucker meiden oder zumindest in ihrer KH-Bilanz berücksichtigen.

Ansonsten gibt es kaum Gegenargumente, wohl aber vernünftige Gründe für den einfachen Schutz der Darmschleimhaut mit antioxidativen Vitaminen und Lactulose bzw. Milchzucker - zumal günstige Auswirkungen auch auf andere Organe bestehen.

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