Entzundliche Darmerkrankungen - Neue Therapieansätze

Dr. med. Klaus Mohr


Die entzündlichen Darmerkrankungen bilden hinsichtlich ihres Verlaufes ein weites Spektrum, von den schwer verlaufenden Krankheitsbildern der Colitis ulcerosa und des Morbus Crohn bis zu weniger deutlich erkennbaren Reizzuständen des Darmes, wie Reizdarmsyndrom oder Colon irritabile. Die zuletzt genannten Erkrankungsbilder finden sich in der Praxis sehr häufig.

An den entzündlichen Darmerkrankungen sind Störungen des Immunsystems ursächlich beteiligt. Die enge Beziehung zwischen Immunstörungen (Fehlfunktionen der körpereigenen Abwehr) und Beeinträchtigungen des Seelenlebens kann heute als sicher gelten.

Allerdings hellen die entzündlichen Darmerkrankungen auch nach erfolgreichen Psychotherapien in der Regel nicht "von alleine" aus. Sicherlich ist die seelische Gesundung die Grundlage des Heilwerdens, vor allem die Bereitschaft und der Wille, gesund zu sein. Die körperliche Therapie ist aber ebenso unverzichtbar.

Die bisherigen Behandlungsstrategien waren oft zu einseitig körperlich orientiert und wirkten eher auf die Symptome als auf die Ursachen. Davon abweichende "alternative" Therapiekonzepte (aus Phytotherapie, Homöopathie, Symbiosebeeinflussung und Ernährungsmedizin) wurden seitens der offiziellen Hochschulmedizin als "unwirksam" bzw. "unbewiesen" abgetan.

Nun finden sich allerdings Hinweise, daß die Auffassungen und das Erfahrungswissen der Regulationsmedizin durchaus berechtigt waren:

Auf der 53. Jahrestagung des American College of Gastroenterology, New York, Okt. 1988, trug Dr. T Godiwala, New Orleans, die Ergebnisse von IgA-Spiegelbestimmungen im Speichel von Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen vor. Untersucht wurden sechs Patienten/Patientinnen mit Morbus Crohn und sechs an Colitis ulcerosa Leidende: Bei allen diesen Kranken fanden sich deutlich erniedrigte lgA-Werte im Speichel. Übrigens waren erniedrigte IgA-Werte auch bei Menschen, die häufig an Aphten der Mundhöhle litten, gemessen worden, allerdings immer noch höher als bei den Patienten mit entzündlichen Darmkrankheiten.

Zur Erläuterung: Das Immunglobulin A (IgA) ist ein Eiweißstoff, der dem Schutz der Schleimhäute vor dem Eindringen körperfremder Strukturen (von Allergenen, Mikroorganismen, größeren Molekülen) dient. Spezialisierte, immunkompetente Lymphzellen (Plasmazellen) bilden das Immunglobulin A und geben es an die Oberfläche der Schleimhäute in deren Sekret ab. Dort verhindert das IgA das Anhaften und Eindringen von körperfremden Strukturen, wie allergieauslösenden Stoffen oder Krankheitserregern in die Schleimhäute.

Umgekehrt begünstigt ein Mangel an 1gA die Entstehung von Allergien oder Entzündungen. Derartige Mangelzustände an lgA können durch Schwächung, fehlendes "Training" aber auch durch Überflutung des Immunsystems entstehen. Fehlernährung, Belastung mit industriellen Schadstoffen und Mangel z.B. an Spurenelementen sowie seelische Belastungen schwächen das Immunsystem ebenso wie die künstliche Unterdrückung von Infekten oder ungelöste seelische Belastungen.

Dagegen kräftigen nach naturheilkundlicher Auffassung naturgemäß ausgeheilte Infekte und die Symbiose (friedliches Zusammenwirken) mit Bakterien ohne krankheitserregende Eigenschaft an der Schleimhautoberfläche die normale Tätigkeit des Immunsystems. Bitterstoffpflanzen insbesondere der Enziangruppe (z.B. auch Tausendgüldenkraut) regen die IgA-Bildung der Darmschleimhaut an.

Die Kombination von Echinacea-(Sonnenhut-) Extrakten mit rechtsdrehender Milchsäure wirkt nach bisher vorliegenden Erfahrungen offensichtlich regulierend auf das Immunsystern.

Die letztgenannten Konzepte werden allerdings von der offiziellen Schulmedizin noch nicht beachtet bzw. anerkannt. Gerade die Methode der Symbioselenkung mit Präparaten aus symbiosegeeigneten Bakterienstämmen wird trotz günstig erlangten Wirkungen von Patienten und erfahrenen Therapeuten noch immer "offiziell" diskriminiert z.B. von manchen Krankenkassen oder Beihilfestellen.

Daß die Art der Bakterienbesiedlung der Schleimhäute von krankheitswendender Bedeutung sein kann, berichtete ein selber betroffener Arzt aus den USA in der Ärztezeitung Lancet 1989/1, S. 164: Dr. J. D. Bennet litt an einer schweren, bisher mit konventionellen Mitteln nur unzureichend behandelbaren Colitis ulcerosa seit 11 Jahren. Die Beschwerden waren kaum erträglich gewesen. Deswegen entschloß sich Dr. Bennet zu einem verzweifelten unorthodoxen Schritt. Er reduzierte seine bisherige Darmflora mit örtlich antibiotisch wirkenden Mitteln so weit wie möglich. Danach führte er sich die Darmflora eines gesunden Spenders mittels Einlauf zu. Ergebnis: Nach 11 Jahren Leidenszeit Beschwerdefreiheit, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung über 6 Monate, ohne bisher gebrauchte Medikamente.

Eine Einzelbeobachtung, gewiß. Allerdings eine überzeugende Beobachtung. Denn es waren auch bei feingeweblicher Untersuchung keine Entzündungszeichen mehr sichtbar. Über die sehr erfreuliche Heilung des Kollegen hinaus zeigt sein Experiment am eigenen Körper die Bedeutung der "richtigen" Darmbakterien auf.

Ob die Symbioselenkung nicht doch besser ist als die Vorurteile ihrer Gegner?

Home  Aktuelle Rundschau  Mitnahmezeitschrift  Buchversand  Suchen  Kontakt

info@reform-rundschau.de