Die entzündlichen Darmerkrankungen
bilden hinsichtlich ihres Verlaufes ein weites Spektrum, von den
schwer verlaufenden Krankheitsbildern der Colitis ulcerosa und des
Morbus Crohn bis zu weniger deutlich erkennbaren Reizzuständen des
Darmes, wie Reizdarmsyndrom oder Colon irritabile. Die zuletzt
genannten Erkrankungsbilder finden sich in der Praxis sehr häufig.
An den entzündlichen Darmerkrankungen sind Störungen des
Immunsystems ursächlich beteiligt. Die enge Beziehung zwischen
Immunstörungen (Fehlfunktionen der körpereigenen Abwehr) und Beeinträchtigungen
des Seelenlebens kann heute als sicher gelten.
Allerdings hellen die entzündlichen Darmerkrankungen auch nach
erfolgreichen Psychotherapien in der Regel nicht "von
alleine" aus. Sicherlich ist die seelische Gesundung die
Grundlage des Heilwerdens, vor allem die Bereitschaft und der Wille,
gesund zu sein. Die körperliche Therapie ist aber ebenso
unverzichtbar.
Die bisherigen Behandlungsstrategien waren oft zu einseitig körperlich
orientiert und wirkten eher auf die Symptome als auf die Ursachen.
Davon abweichende "alternative" Therapiekonzepte (aus
Phytotherapie, Homöopathie, Symbiosebeeinflussung und Ernährungsmedizin)
wurden seitens der offiziellen Hochschulmedizin als
"unwirksam" bzw. "unbewiesen" abgetan.
Nun finden sich allerdings Hinweise, daß die Auffassungen und das
Erfahrungswissen der Regulationsmedizin durchaus berechtigt waren:
Auf der 53. Jahrestagung des American College of Gastroenterology,
New York, Okt. 1988, trug Dr. T Godiwala, New Orleans, die Ergebnisse
von IgA-Spiegelbestimmungen im Speichel von Patienten mit entzündlichen
Darmerkrankungen vor. Untersucht wurden sechs Patienten/Patientinnen
mit Morbus Crohn und sechs an Colitis ulcerosa Leidende: Bei allen
diesen Kranken fanden sich deutlich erniedrigte lgA-Werte im
Speichel. Übrigens waren erniedrigte IgA-Werte auch bei Menschen, die
häufig an Aphten der Mundhöhle litten, gemessen worden, allerdings
immer noch höher als bei den Patienten mit entzündlichen
Darmkrankheiten.
Zur Erläuterung: Das Immunglobulin A (IgA) ist ein Eiweißstoff,
der dem Schutz der Schleimhäute vor dem Eindringen körperfremder
Strukturen (von Allergenen, Mikroorganismen, größeren Molekülen)
dient. Spezialisierte, immunkompetente Lymphzellen (Plasmazellen)
bilden das Immunglobulin A und geben es an die Oberfläche der
Schleimhäute in deren Sekret ab. Dort verhindert das IgA das Anhaften
und Eindringen von körperfremden Strukturen, wie allergieauslösenden
Stoffen oder Krankheitserregern in die Schleimhäute.
Umgekehrt begünstigt ein Mangel an 1gA die Entstehung
von Allergien oder Entzündungen. Derartige Mangelzustände an lgA
können durch Schwächung, fehlendes "Training" aber auch
durch Überflutung des Immunsystems entstehen. Fehlernährung,
Belastung mit industriellen Schadstoffen und Mangel z.B. an
Spurenelementen sowie seelische Belastungen schwächen das Immunsystem
ebenso wie die künstliche Unterdrückung von Infekten oder ungelöste
seelische Belastungen.
Dagegen kräftigen nach naturheilkundlicher Auffassung naturgemäß
ausgeheilte Infekte und die Symbiose (friedliches Zusammenwirken) mit
Bakterien ohne krankheitserregende Eigenschaft an der
Schleimhautoberfläche die normale Tätigkeit des Immunsystems.
Bitterstoffpflanzen insbesondere der Enziangruppe (z.B. auch Tausendgüldenkraut)
regen die IgA-Bildung der Darmschleimhaut an.
Die Kombination von Echinacea-(Sonnenhut-) Extrakten mit
rechtsdrehender Milchsäure wirkt nach bisher vorliegenden Erfahrungen
offensichtlich regulierend auf das Immunsystern.
Die letztgenannten Konzepte werden allerdings von der offiziellen
Schulmedizin noch nicht beachtet bzw. anerkannt. Gerade die Methode
der Symbioselenkung mit Präparaten aus symbiosegeeigneten Bakterienstämmen
wird trotz günstig erlangten Wirkungen von Patienten und erfahrenen
Therapeuten noch immer "offiziell" diskriminiert z.B. von
manchen Krankenkassen oder Beihilfestellen.
Daß die Art der Bakterienbesiedlung der Schleimhäute von
krankheitswendender Bedeutung sein kann, berichtete ein selber
betroffener Arzt aus den USA in der Ärztezeitung Lancet 1989/1, S.
164: Dr. J. D. Bennet litt an einer schweren, bisher mit
konventionellen Mitteln nur unzureichend behandelbaren Colitis
ulcerosa seit 11 Jahren. Die Beschwerden waren kaum erträglich
gewesen. Deswegen entschloß sich Dr. Bennet zu einem verzweifelten
unorthodoxen Schritt. Er reduzierte seine bisherige Darmflora mit örtlich
antibiotisch wirkenden Mitteln so weit wie möglich. Danach führte er
sich die Darmflora eines gesunden Spenders mittels Einlauf zu.
Ergebnis: Nach 11 Jahren Leidenszeit Beschwerdefreiheit, zum Zeitpunkt
der Veröffentlichung über 6 Monate, ohne bisher gebrauchte
Medikamente.
Eine Einzelbeobachtung, gewiß. Allerdings eine überzeugende
Beobachtung. Denn es waren auch bei feingeweblicher Untersuchung keine
Entzündungszeichen mehr sichtbar. Über die sehr erfreuliche Heilung
des Kollegen hinaus zeigt sein Experiment am eigenen Körper die
Bedeutung der "richtigen" Darmbakterien auf.
Ob die Symbioselenkung nicht doch besser ist als die Vorurteile
ihrer Gegner?