Heilpflanze zur Verbesserung der inneren
Widerstandskraft
Dr. med. Klaus Mohr
Es ist ein alter Wunsch der
Menschheit, die Anpassungsfähigkeit (an Belastungen) und die
Leistungsfähigkeit des Körpers möglichst lange zu erhalten - oder
gar zu verbessern. Damit wäre auch das Älterwerden günstig zu
beeinflussen. Denn das Altern ist ja durch das Nachlassen von
Anpassungs- bzw. Leistungsfähigkeit gekennzeichnet.
Das ständige Training aller Organfunktionen ist die unabdingbare
Voraussetzung, um den Organismus anpassungs- und leistungsfähig zu
erhalten. Heilpflanzen mit adaptogener Wirkung sind hilfreich zu
diesem Ziel.
Adaptogene sind Mittel, die den Organismus in einen
Zustand des unspezifisch erhöhten Widerstandes versetzen, um so
besser mit Belastungen fertig zu werden. Der Begriff Adaptogen
wurde von dem russischen Forscher Lazarev geprägt, vor knapp 50
Jahren.
Heute ist das Wort Streß in aller Munde. Von Prof. Hans Selye
wurde das Streßproblem wissenschaftlich bearbeitet (bzw. überhaupt
erst erkannt) - mit wertvollen praktischen Lösungsansätzen. H. Selye
fand eine stets gleich verlaufende unspezifische Reaktion auf ganz
unterschiedliche Belastungen (also Streßfaktoren). Diese
Reaktionsmuster nannte er Allgemeines Adaptationssyndrom.
In diesem Adaptationssyndrom konnte er drei Phasen unterscheiden,
die nach charakteristischen Mustern ablaufen:
1. Die Alarmreaktion:
Innerhalb von 6-48 Stunden nach Einwirkung einer Belastung
(ziemlich unabhängig von ihrer Art) reagiert der Organismus mit erhöhter
Aktivität im sympathischen Anteil des vegetativen Nervensystems und
hormonell mit vermehrter Ausschüttung von Nebennierenhormonen,
insbesonders aus dem Nebennierenmark, also von Adrenalin und
Normadrenalin. Der Organismus ist aktiviert, erregt, auf Leistung
orientiert. Die Herzfrequenz (Pulszahl) steigt, ebenso der Blutdruck.
Die Körpertemperatur sinkt (kalte Hände und Füße). Der
Stoffwechsel wird katabol, also reservenabbauend. Widerstandskraft und
Leistungsfähigkeit nehmen (vorübergehend) zu. Im Magen-Darm-Trakt können
Schleimhautschäden auftreten, im Extremfail Streßgeschwüre.
2. Das Widerstandsstadium
Wenn die Belastung (Stressor) bleibt (andauernd oder mehrmals
wiederholt), geht die anfängliche Alarmreaktion nach einigen Tagen in
das Widerstandsstadium - die zweite Phase des Adaptationssyndroms - über:
Die nervlichen und hormonalen Reaktionen des Alarmstadiums klingen ab.
Reserven werden wieder aufgefüllt. Der Organismus hat sich angepaßt
und kann die beiastungsinduzierte Leistung bestmöglich erbringen,
kann dem Stressor widerstehen.
Anpassung und Widerstandskraft dieser Phase sind nicht mehr
unspezifisch (wie im Alarmstadium), sondern jetzt ganz spezifisch auf
die Belastung ausgerichtet.
3. Das Erschöpfungsstadium
Wenn die Belastung übermäßig stark ist oder zu lange
ununterbrochen einwirkt, kommt es zur Erschöpfung der
Widerstandskraft. Die Anpassungsenergie reicht nicht mehr aus. Die
Organveränderungen ähneln der Alarmphase - aber ohne Umschwung zum
Widerstand. Der Widerstand des erchöpften Organismus bricht zusammen.
Es kommt zu Organschäden, zu Erkrankungen des Organismus, vor allem
zu
Immunstörungen
Depressionen
Herz-Kreislauf-Schäden
Magen-Darm-Erkrankungen (z.B. Geschwüren) und anderen.
Die Zivilisation mit ihren einseitigen, chronischen Belastungen führt
zu schleichenden Erschöpfungsstadien. Erschöpfung ist gekennzeichnet
durch eine Störung der Homöostase, des inneren Gleichgewichtes:
Abbauprozesse überwiegen die natürlichen Aufbau- und
Regenerationsvorgänge. Man kann dies als Spiegelbild unserer
Zivilisation sehen, mit ihrer einseitigen Ausbeutung von Mensch und
Natur. Nicht umsonst ist "Streß" zum Modewort geraten,
obwohl oft ohne Kenntnis der Grundlagen von Auf- und Abbauvorgängen
bzw. Anpassungsreaktionen gebraucht: Streß ist die aus Belastung des
Organismus resultierende Alarmreaktion.
Je nach Art und Stärke der Belastung (vom gesundheitsfördernden
Reiz bis zur Schädigung) und der Widerstandskraft des
Organismus bewirkt ein Stressor entweder:
Anpassung (konstruktive Bewältigung)
Aufbau oder
Erschöpfung (vorzeitige Alterung bis zum vorzeitigen Tod)
Belastungen können lebensfördernd oder -schädigend sein.
Mit gutem Willen und Tun - mitunter auch mit Loslassen - können
die Menschen manche Belastung lindern. Viele Belastungen sind
selbstgemacht, unnötig. Wieder andere Belastungen sind
nicht zu ändern. Wer klug ist, lernt die Belastungen nach ihrer
Veränderbarkeit zu unterscheiden - und sinnorientiert zu handeln.
Nahezu immer ist die eigene Widerstandskraft zu ändern. Biologisch
sinnvoll ist die flexible Verstärkung der Widerstandskraft.
Viele Menschen schwächen jedoch ihre Widerstandskraft selber.
Dies resultiert gewöhnlich aus naturentfremdeter Lebensweise - im körperlichen
und/oder seelischen Bereich: konstruktiv oder destruktiv, lebensfördernd
oder lebensschwächend.
Die sogenannten Zivilisationskrankheiten (wie auch das Altern)
entstehen grundsätzlich aus dem zivilisatorisch bedingten Mißverhältnis
von naturorientiert aufbauenden zu abbauenden Faktoren.
An diesem Mißverhältnis leiden letztlich alle Verantwortlichen
dieser Gesellschaft - bewußt oder unbewußt.
Angesichts der noch immer zunehmenden Belastungen (und
Abbauprozessen) werden natürliche, widerstandsverbessernde
Heilprinzipien immer wichtiger. Es ist gut, zu wissen, daß die gütige
Natur Heilpflanzen mit adaptogener Wirkung bereithält. Haben Sie
schon viel von adaptogenen Pflanzen gehört?
Dem geläufigen Krankheits-Medizin-Verständnis sind die adaptogen
wirkenden Heilpflanzen ziemlich fremd. Die moderne Medizin lebt nun
einmal für den Kampf gegen die Krankheit. Für Widerstand oder gar
Anpassung ist da weniger Verständnis. Tatsächlich lehren uns die
adaptogen wirkenden Pflanzen, wie intensiv die Beziehung zwischen
Anpassung und Widerstand ist. Mit Hans Selyes Streßmodell werden die
Zusammenhänge deutlicher - und die Heilungsmöglichkeiten. Mit dem
berühmten, bezeichnenderweise oft diskriminierten Ginseng verfügen
wir über eine wertvolle adaptogene Heilpflanze.
Der Ginseng
Die Wirkungen der Ginsengwurzel sind inzwischen sorgfältig
erforscht. Allerdings scheint dieses fundierte Wissen nicht weit
bekannt zu sein. Der Ginseng ist - letztlich aus Unwissen - heftig
umstritten: neben unsachlicher Geringschätzung findet sich auch übersteigertes
Wunschdenken. Wie so oft liegt die Wahrheit zwischen den Extremen; sie
liegt bezeichnenderweise auch in der Paradoxie: Ausgerechnet die
harmonisierend wirkende Ginsengpflanze polarisiert wie kaum eine
andere Heilpflanze die Gemüter.
Vorab ist festzustellen: Die Ginsengwurzel ist kein Wundermittel,
das alle Gebrechen heilt. Ihre Besonderheit ist die normalisierende
Wirkung auf viele Funktionen des Organismus. Die Wirkungen sind nicht
gegen irgendeine spezielle Krankheit gerichtet. Daher sind
die Ginsengwirkungen der analytischen westlichen Medizin, die nach
hochspezialisierten, normierten Anti-Krankheits-Mitteln sucht, im
Grunde unverständlich und daher suspekt.
In alten chinesischen Lehrbüchern der Arzneikunde findet sich nach
der Beschreibung spezifischer Mittel gegen definierte Krankheitsbilder
mitunter der abschließende Hinweis: Wenn das genannte Mittel
unzureichend wirksam bleibt, dann sollte Ginseng dazu gegeben werden.
Dieser Rat zeigt den respektvollen, sparsamen Umgang mit einer
wertvollen Heilpflanze als Reservemittel für schwierige Situationen.
Offensichtlich wurde die unspezifische Wirkung der Ginsengwurzel für
die Gesundung, für die Förderung der gesunden Funktionen als
Grundlage der Heilung aus intuitivem und empirischem Wissen schon sehr
früh verstanden.
Stellen Sie sich jetzt einmal vor, ein deutscher Professor würde
in sein Buch schreiben (oder ein Politiker in sein
Gesundheitsreformgesetz): Wenn ein von mir empfohlenes Mittel (bzw.
die Gesetzesvorgabe) nicht ausreichend wirkt, dann möge Ginseng
hinzugefügt werden. Undenkbar? Vermutlich ist das, diese Schwäche
des Sich-Selbst-Infragestellens - eine einstzunehmende Teil-Ursache
unserer Lebens- und Umweltprobleme. Ironisch, wie ich gerne zugebe,
ist noch anzumerken, daß aller Ginseng gar nicht ausreichen würde,
um die heutige Informations-, Normen- und Vorschriftenflut doch noch
zum Heilmittel für die Menschheit werden zu lassen. Selbst wenn er
das leisten könnte - soviel Ginseng kann gar nicht wachsen. Wir
wollen hier auch nicht Hypothesen aufstellen, ob der Ginseng unseren
Experten und Politikern mittels persönlichem Gebrauch in ihren Werken
lebensfördernd hilfreich sein könnte. Immerhin berichtete die
Legende, daß der Ginseng im alten China der kaiserlichen Familie
vorbehalten war. Nur Beamten und hohen Würdenträgern in besonderen
Situationen erlaubte der Kaiser, sich der Ginsengwurzel zu bedienen.
Jede weitere Analogie mit modernen Würdenträgern, Kaisern und
aktuellen Krisensituationen möchte ich mir versagen (und nur noch
bekennen, daß ich heute abend, vor dem Schreiben dieses Textes, eine
kleine Tasse guten Ginseng-Tees mir selber zugestanden habe).
Denn zum Glück steht Ginseng heute demokratisch dem Volk zur Verfügung
- dem Volke näher als den Würdenträgern. Allerdings sind
hochwertige, gute Ginsengprodukte nicht billig - auch dies ist ein
wahrhaft demokratisches Merkmal, als Aquivalent der Mühe für Anbau
und Herstellung. Persönlich bin ich bereit, dafür auf manchen überflüssigen
Konsumartikel zu verzichten - für einen reellen Wert.
Damit kommen wir auf den individuellen Wert der Ginsengwurzel bzw.
guter Präparate.
Die wichtigste Ginseng-Wirkung ist unspezifisch: die Erhöhung der
Resistenz des Gesamtorganismus. Sie stabilisiert die Homöostase. Homöostase
ist die Fähigkeit des Organismus, seine innere Stabilität gegenüber
allen Belastungen - von außen oder auch von innen - aufrecht zu
erhalten: Wenn irgendeine Belastung (Stressor) auf den Organismus
einwirkt, dann reagiert der Körper mit entgegenwirkenden inneren Veränderungen,
um die Einflüsse der Belastung zu kompensieren.
Man bezeichnet diese Resistenzsteigerung (Erhaltung der Homöostase)
als Adaptation. Die Adaptation wird gestört durch übermäßige
Belastungen oder durch Zeitmangel für die Einstellung der Homöostase.
Dann resultiert Fehladaptation und schließlich Erschöpfungen.
Krankheiten können von da ihren Ursprung nehmen.
Neben übermäßiger Belastung und Zeitmangel finden sich
Fehladaptionen zunehmend häufiger aufgrund unzureichenden Trainings
grundlegender Organfunktionen. Unter den zivilisatorischen
Lebensbedingungen treffen diese Adaptationsstörer unglücklich und
wechselseitig verstärkend zusammen.
Daher wird in der Zivilisation die Resistenz des menschlichen
Organismus arg geschwächt. Bezeichnenderweise ist davon in der
"Gesundheitsreformpolitik" und in den Klagen über die
Ausgabensteigerungen der Krankenkassen nichts zu hören. Ob dies aus
Unwissen oder zum Ablenken von der Mitverantwortung für
Resistenzverfall und Krankheitsanfälligkeit der Menschen geschieht?
Zum Glück können wir über Heilpflanzen verfügen, die
resistenzsteigernd auf den Organismus wirken. Der Ginseng ist nicht
die einzige, wohl aber die wichtigste davon.
Die Ginsengwirkungen sind, wie erwähnt, unspezifisch. Unspezifisch
bedeutet nicht unwirksam, sondern diese Heilpflanze ist eher das
Gegenteil, nämlich grundlegend und umfassend wirksam:
Ginseng wirkt unspezifisch gegenüber der Belastung (dem
Stressor).
Das bedeutet: Die Anpassung und Resistenz wird verbessert, unabhängig
von der Art der Belastung. Allerdings erfolgt die Adaptation
des Organismus auf "eine Belastung spezifisch. Im Organismus
erst wird die unspezifische Ginsengwirkung zur spezifischen
Resistenzsteigerung.
Ginseng wirkt unspezifisch auf Organe und Gewebe. Das heißt: Kein
Organ wird besonders bevorzugt, Ginseng wirkt schon auf der Zellebene.
Interessanterweise überschreiten die nativen Ginsenoside nicht die
Blut-Hirnschranke. Trotzdem wurden zweifelsfrei Wirkungen auf das
Zentralnervensystem festgestellt: ein weiterer Hinweis für die
umfassende Wirksamkeit der Ginsengwurzel.
Die Wirkung der Ginsenoside auf zellulärer Ebene wird mit einer
verstärkten Reduktion des Glutathionsystems und somit gesteigerter
Stoffwechselleistung der Zellen erklärt. Reduziertes Glutathion ist
ein entscheidender Schutzfaktor für die Körperzellen und
gleichzeitig ein Garant des Zellstoffwechsels.
Die Ginsenoside sind die Hauptträger der Ginsengwirkung. In der
getrockneten Wurzel sollten mindestens 1,5% Ginsenoside enthalten
sein. Die Seitenwurzeln weisen höhere Ginsenosidkonzentrationen auf.
Resorbiert werden die nativen Ginsenoside im Organismus nur zu 2-30
Prozent. Allerdings entstehen im Darm Folgeprodukte mit vermutlich höherer
Resorptionsquote.
Für den Ginseng bzw. die Ginsenoside wurden experimentell
nachgewiesen:
Infektionen
Gifte
ionisierende Strahlen
Erschöpfung durch körperlichen und/oder seelischen
Streß
- immunfördernde Wirkungen
- Wirkungen auf den Stoffwechsel von Kohlenhydraten, Lipiden und
Proteinen.
Dadurch wirken die Ginsenoside sehr vielschichtig im Ornismus. Eine
beeindruckend hohe Zahl fundierter Untersuchungen wurde zu den
Einzelwirkungen durchgeführt.
Übersicht über wichtige Einzelwirkungen
Bevor hier nun die wichtigsten Ergebnisse übersichtsartig
referiert werden, sei nochmals an die Sonderstellung dieser
Heilpflanze als Adaptogen erinnert: Der Körper kann sich
besser auf Belastungen einstellen und gegen Störfaktoren schützen.
Die Wirkung besteht dann regelmäßig in einer Normalisierung von
reagierenden Funktionen, d.h. geschwächte Funktionen werden angeregt,
bzw. übersteigerte Funktionen herabgesetzt.
Diese adaptogene, also regulierende, normalisierende, man kann auch
sagen: harmonisierende Wirkung vor allem macht den Ginseng der
analytischen Medizin so suspekt. Denn deren Mittel sind bewußt so
konstruiert, daß definierte Einzeifunktionen, doppelblind überprüfbar,
in einer Richtung beeinflußt werden.
"Harmonisierung" ist in diesem Medizin- und
Arzneimittelmodell ein unverständliches Fremdwort. Ein Mittel, das
einmal bei einem aufgeregten Menschen beruhigend wirkt, und zum
anderen bei einem antriebsgeminderten Menschen anregend, wird nach
diesem Modell "unter dem Strich" als unwirksam bewertet, wie
nach einer einfachen arithmetischen Addition beispielsweise aus -10 +
10 die Summe 0 errechnet wird. Für einseitige Arzneimittel stimmt
diese Rechnung. Doch der Ginseng ist anders: Er wirkt unterschiedlich,
je nach Richtung der gestörten Organfunktion. Deshalb ist der Ginseng
mit modernen, gezielt (also einseitig, stark und schnell) wirkenden
Arzneimitteln nicht vergleichbar; ist danach gar nicht als (typisches)
Arzneimittel zu bezeichnen.
Ginseng ist anders. Bezeichnenderweise darf Ginseng in den USA
nur als Lebensmittel angeboten werden, statt als Arzneimittel. Obwohl
die Eingruppierung dieser besonderen Heilpflanze in eine Schublade mit
Weizen, Kartoffeln und Bohnen zweifelhaft sein mag, erscheint doch die
eigentliche Bedeutung des Wortes Lebensmittel sehr zutreffend: als
Pflanze für das Leben - könnte man den Ginseng - wenn auch ungewollt
- noch besser kennzeichnen? Wohl kaum.
In der Bundesrepublik Deutschland gilt der Ginseng als Tonikurn.
Vom Wortsinn her ist ein Tonikum ein Mittel gegen Schwächezustände.
Von der eingreifenden Medizin werde Tonika eher verächtlich eingeschätzt,
als scheinbar unnötige Stärkungsmittel - oder als ziemlich
abwertende Verlegenheitsbezeichnung für Nicht-Arzneimittel (in deren
Sinn), also für Mittel, die nicht sofort und massiv und
eindimensional wirken. Es ist selbstverständlich, daß derartig
schnell, stark und einseitig wirkende Mittel zwangsläufig auch unerwünschte
Wirkungen (Nebenwirkungen) zeitigen.
In dialektischer Umkehr wird da oft behauptet, daß Arzneimittel,
die frei von Nebenwirkungen sind, eigentlich wirkungslos seien.
Die sanften, aber grundlegend hilfreichen Ginsengwirkungen können
zum Besseren belehren. Voraussetzungen dafür sind allerdings
qualitativ hochwertige Ginsengpräparate.
Übliche Anwendungsgebiete von Ginseng:
- Tonikum zur Verbesserung des körperlichen Trainings
- Tonikum in der Rekonvaleszenz (zur besseren Erholung nach
Krankheiten)
- zur Funktionsanregung, zur besseren Bewältigung von Belastungen
- zur Verbesserung der Immunfunktionen bei Infekten
Gegenanzeigen, unerwünschte Wirkungen
Unerwünschte Wirkungen des Ginseng in den empfohlenen Dosierungen
(entsprechend 1-1,5g der getrockneten Wurzel) sind äußerst selten.
In Einzelberichten wurden Symptome wie Übererregbarkeit,
Unruhezustände, Schlafstörungen, Blutdruckerhöhungen, morgendlicher
Durchfall, Brustdrüsenspannung und vermehrter Sexualtrieb
beschrieben, wobei offensichtlich unkontrolliert überhöhte Dosen
eingenommen worden waren. Einige dieser Symptome (Unruhe, Schlafstörungen,
Euphorie, Morgendurchfall, Ödeme) wurden auch aufgrund von Studien an
Rhesusaffen beschrieben, die selber aus unbegrenztem Angebot Ginseng
nach Belieben einnehmen konnten, und als Ginseng-Mißbrauchs-Syndrom
beschrieben. In diesen Versuchen waren durchschnittlich 1,2 g Ginseng pro
kg Körpergewicht und Tag genommen worden (also 60 bis 90 g
Ginsengwurzel pro Tag für einen Menschen entsprechend). Diese Studien
zeigen immerhin den möglichen großen Abstand der Ginsengzufuhr zur
empfohlenen Tagesdosis. Die mitunter emotional vorgebrachten Argumente
mögen dadurch etwas relativiert werden.
Neben der Empfehlung, die bewährte, sichere Ginseng-Dosis von
1-1,5g/Tag (die von vielen Präparaten erreicht wird), zu beachten,
ist vor allem von der gleichzeitigen Einnahme von Ginseng mit Koffein
bzw. koffeinhaltigen Genußmitteln abzuraten.
Obwohl Ginseng (die schwerer resorbierbaren Rb1-Saponine)
sogar erhöhten Blutdruck senken kann, wird Patienten mit ausgeprägterem
Bluthochdruck von der Einnahme, vor allem höherer Ginseng-Dosen,
vorsichtshalber abgeraten.
Wichtige Einzelwirkungen
Um den Ginseng noch genauer kennenzulernen, seien hier aus dem
weiten Spektrum noch einige Einzelwirkungen referiert.
Verstehen Sie dabei aber den Ginseng vor allem als Adaptogen, als
Mittel zur Gesundheitsförderung und Leistungsanpassung zur Unterstützung
bei chronischen Störungen und zum Schutz vor Altersbeschwerden, nicht
als Mittel zur Behandlung akuter Krankheiten.
- Wirkungen auf Herz und Kreislauf
Ginseng führt zu einer milden Erweiterung der Blutgefäße, damit
zu besserer Durchblutung des Gesamtorganismus einschließlich des
Herzens selber und zu einer geringen Blutdrucksenkung. Der
Sauerstoffverbrauch des Herzens wird ökonomischer, Kontraktionskraft
und Leistungsvolumen werden gesteigert. Dadurch kann krankhaft
erniedrigter Blutdruck - scheinbar paradox - sogar ansteigen - ein
Beispiel für die adaptogene Wirkung.
- Wirkungen auf die Blutgefäßwände
(Arteriosklerose)
Die wichtigsten Risikofaktoren der Arteriosklerose: Hyperlipidäme
(erhöhte Blutfettspiegel)
Hypertonie (s.o.) und
Gerinnselbildung (Thrombosen)
können durch Ginseng günstig beeinflußt werden.
Die regulierende Wirkung auf erhöhte Blutdruckwerte wurde
bereits beschrieben. Allerdings wird die Anwendung von Ginseng bei
Hochdruckkranken trotz günstiger experimenteller Ergebnisse bisher
nicht empfohlen - aus traditionellen Gründen. Es sei auch nochmals
von der Kombination von Ginseng mit koffeinhaltigen Mitteln, auch
Getränken, abgeraten.
Die Blutfette werden durch Ginseng günstig beeinflußt:
die ablagerungsbildenden Fraktionen (LDL- und Gesamtcholesterin)
sinken, die schützenden Anteile (HDL-Cholesterin) steigen an.
Die Bildung von Blutgerinnseln wird von hochwertigen
Ginseng-Extrakten gehemmt: einerseits durch Hemmung der
Thrombin-Bildung (einer Substanz der Blutgerinnung). Andererseits
konnten fördernde Effekte der Ginsengoside auf fibrinolytische
Enzyme (Schutzsysteme im Blut gegen Gerinnselbildung) beobachtet
werden. Somit existiert ein Doppelnutzen des Ginseng gegen
Gerinnungsstörungen. Darüber hinaus wird die Aggregation (Zusammenklummpung)
der Blutplättchen vermindert. Ginseng entfaltet somit vielfältige
Schutzwirkungen gegen Arteriosklerose und ihre Folgeerscheinungen.
Beachtenswert sind auch Berichte über günstige Wirkungen bei
Ohrgeräuschen (Tinnitus), Schwindel sowie Durchblutungsstörungen
der Hände und Füße.
Schutzwirkungen auf die Leber
Die Leber ist für Stoffwechsel und Entgiftung des Organismus von
zentraler Bedeutung. Zivilisatorische Faktoren belasten die
Leberfunktion. Ginseng kann, wie etliche Untersuchungen gezeigt
haben, die Leberfunktionen schützen bzw. unterstützen. Die
Regenerationsfähigkeit (Erholung) der Leber wird verbessert. Diese
Schutzwirkungen sind u.a. erklärbar durch Aktivierung des
Glutathionsystems (Reduktionsform), die nach Gabe von
Ginsengextrakten bestätigt werden konnte.
Fördernde Wirkung auf das Knochenmark
Im Knochenmark werden die roten Blutkörperchen und ein großer
Teil der weißen Blutzellen gebildet.
Konsumierende Erkrankungen (chronische Infektionen, Tumorleiden,
bestimmte Rheumaformen) unterdrücken die Knochenmarksfunktion bzw.
die Blutbildung. Auch äußere Einwirkungen, vor allem
elektro-magnetische bzw. korpuskuläre Strahlungen, schädigen das
Knochenmark und die Blutbildung.
Erfreulicherweise konnten normalisierende Wirkungen von Ginseng
auf die Blutbildung nachgewiesen werden. Überschießende Effekte,
also eine Überproduktion von Blutzellen, sind nicht zu erwarten.
Wirkungen auf Erschöpfungszustände
Die Adaptogenwirkung des Ginseng, d.h. die Erhöhung der
Widerstandskraft, wurde übereinstimmend in separaten Untersuchungen
mit verschiedenartigen Belastungen festgestellt: gegen radioaktive
Strahlungen, Alkoholvergiftung, Kälte, Bewegungseinschränkung.
Verbessert wurden die Widerstandskraft, die körperliche und
seelisch-geistige Leistungsfähigkeit - ohne Rückgriff auf
Reserven: Vielmehr wurden sogar noch anabole (aufbauende)
Stoffwechselwirkungen gefunden.
Belastungen konnten wesentlich länger ertragen werden, der
Zeitraum bis zur Erschöpfung war wesentlich verlängert.
Andererseits war die zur Erholung erforderliche Zeit kürzer. Z.B.
normalisiert sich die Herzfrequenz nach Belastung schneller, wenn
vorher Ginseng genommen wurde. Daher wird Ginseng auch in der
Rekonvaleszenz, nach erschöpfenden Krankheiten oder Operationen,
gegeben, um die Gesundungsphase zu fördern.
Wirkungen auf das Immunsystern
Ginseng wirkt nicht wie ein Antibiotikum, also nicht
direkt auf Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren.
Ginseng wirkt auch nicht wie ein typisches Immunstimulans
(z.B. Echinacea), kann also derartige Mittel nicht ersetzen.
Mit der experimentell dargestellten Wirkung auf Hypothalamus/Hypophyse/Nebenniere
ist eher eine immunmodulierende Wirkung anzunehmen. Für eine
mögliche Anwendung, etwa bei Allergien, fehlen aber noch
Grundlagenkenntnisse.
Die bisherigen Erfahrungen mit der Anwendung (hochwertiger)
Ginsengpräparate lassen allerdings eine geringere Anfälligkeit gegen
bzw. eine bessere Überwindung von Infektionskrankheiten annehmen.
In erster Linie ist dies wohl durch die adaptogene Grundwirkung des
Ginseng erklärbar.
Wirkungen auf das Nervensystem und seelisch-geistige Funktionen
Obwohl die Ginsenoside die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden,
sind Wirkungen auf das Zentralnervensystem doch offensichtlich
vorhanden. Möglicherweise indirekt, über die adaptogene Wirkung
auf den Gesamtorganismus, wird die Ausbildung von Nervenfortsätzen
und vermutlich auch von Transmitter-Substanzen (Überträgerstoffen)
gefördert. Zu beobachten ist eine verbesserte, harmonisierte
Abstimmung von Nervenzentren. So wirkt Ginseng anregend, ohne
aufzuputschen (im Gegensatz zu Genußmitteln, z.B. mit Coffein) und
andererseits auch schlafverbessernd, aber ohne müde zu machen. Die
Wirkung von betäubenden Mitteln, z.B. von Alkohol oder
Barbituraten, wird vermindert; ein scheinbar paradoxes Bündel von
Wirkungen dieser eigenartigen Heilpflanze, die eben keine
eindimensionale Wirkung erzwingt, sondern reguliert und (wie einer
Natur-Automatik) die jeweils erforderliche Funktion fördert.
(Gerade daraus resultiert meine persönliche Begeisterung für den
Ginseng, aufgrund eigener Erfahrung - entgegen aller
eindimensionaler Kritik).
In psychometrischen Tests konnte jedenfalls eine verbesserte Aufnahme-,
Konzentrations-, Leistungs- und Reaktionsfähigkeit nach Gabe
von (hochwertigen) Ginsengpräparaten gezeigt werden. Dabei waren
die Versuchspersonen nicht aufgeregt, sondern ruhiger,
konzentrierter. Überforderung wird gelassener bewältigt, die
Erholung danach gefördert.
Bei Menschen mit psychovegetativer oder psychosomatischer Beeinträchtigung
konnten durch regelmäßige Ginseng-Gaben über wenige Wochen sowohl
Antriebsstörungen, Nervosität, abnorme Müdigkeit, Behinderungen
von Konzentration und Merkfähigkeit deutlich gebessert werden.
Daher halte ich die Anwendung von (hochwertigen) Ginseng-Präparaten
auch bei psychischen und psychovegetativen Störungen als
Grundmittel - jedoch nicht als Ersatz für spezifische Therapien
- für empfehlenswert.
Hinweise zur Anwendung von Ginseng
Im Mittelpunkt der Ginsengwirkungen stehen die adaptogenen,
funktionsregulierenden Eigenschaften. Der Ginseng ist daher besser
als Mittel für stabilere Gesundheit zu verstehen und nicht als
Arzneimittel gegen spezifische Krankheiten. Allerdings kann bei
etlichen Krankheiten die, spezifische Therapie durch Ginseng eine
sinnvolle Unterstützung erfahren. Dabei ist zu beachten, daß
Ginseng die Resorption (Aufnahme) einiger Arzneimittel beschleunigen
und so auch zeitweise verstärken kann. In der Literatur finden sich
auch Hinweise auf eine gewisse Verstärkung der Insulinwirkung.
Dagegen wird, wie erwähnt, die Wirkung von Narkotika abgeschwächt.
Mit Coffein bzw. coffeinhaltigen Mitteln soll Ginseng nicht
kombiniert werden. Eigentliche Nebenwirkungen des Ginseng in der
empfohlenen Dosis, entsprechend 1-1,5 (bis 3) Gramm der getrockneten
Wurzel, sind trotz umfangreicher Anwendung und sehr langer Erfahrung
nicht beobachtet worden. In wissenschaftlichen Untersuchungen wurden
einmalige Gaben von 2 g Ginseng/kg Körpergewicht (entsprechend
100-200 g für einen Menschen) ohne Vergiftungserscheinungen oder
sonstige Schäden vertragen. Langzeituntersuchungen mit überhohen
Dosierungen (zur Toxizitätsprüfung) verliefen ebenfalls ohne Schädigung,
auch nicht der Erbanlagen. Allerdings sind bei längerer Zufuhr überhöhter
Dosen Symptome wie Blutdruckerhöhungen, Schlafstörungen oder
Reizbarkeit möglich, aber reversibel. Aus Vorsichtsgründen wird
die Einnahme von Ginseng deshalb Bluthochdruck-Kranke nicht
empfohlen, obwohl - wie wähnt - Ginseng zur Regulierung erhöhten
Blutdrucks beitragen kann.
Die wichtigsten sinnvollsten Anwendungsgebiete sind im Bereich
der Prophylaxe (der Gesundheitserhaltung und Gesundheitsförderung)
sowie Rekonvaleszenz und Regeneration (der Wiedergewinnung von
Gesundheit) zu sehen.
Angesichts der aktuellen zivilisatorischen gesundheitsschädlichen
Einwirkungen auf den Organismus wird der Ginseng zu einem
grundlegend wichtigen Heilprinzip. Doch sollte er nicht als Alibi
oder Hilfsmittel zur gedankenlosen Fortführung von Lebensfehlern mißbraucht,
sonder sinnvoll als unterstützendes Heilmittel zur konstruktiven
Veränderung gebraucht werden.
|