Pangamsaure: ein überflüssiges Vitamin?

Dr. med. Klaus Mohr


Vitamine nehmen eine eigenartige Zwischenstellung zwischen Nahrungsstoffen und Heilmitteln ein.

In der offiziellen Medizin wird die Vitaminversorgung noch zu einseitig als Verfahren zur Vermeidung von Mangelzuständen betrachtet. Das ist eine sehr passive, krankheitsorientierte Betrachtungsweise. Mit der gleichen Logik könnte man Infektionen als Folge eines Mangels an Antibiotika ansehen oder Rheuma als Aspirin-Mangel-Erkrankung. Aus natur- und gesundheitsorientierter Sichtweise stellen sich die Zusammenhänge umfassender - und vielfach nutzbringender - dar:

Arzneimittel werden aus dieser Sichtweise unterschieden, ob sie körpereigen und - vertraut (also naturgemäß) - oder körperfremd (also synthetisch) wirksam werden.

Bevorzugt von der Naturheilkunde werden, wenn immer möglich, die körpereigenen bzw. körpervertrauten Heilmittel. Dazu gehört auch die dem Organismus seit Jahrtausenden vertraute Nahrung des Menschen samt den enthaltenen Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen.

Diese Sichtweise ist aktiv gesundheitsorientiert. Krankheiten werden lieber mit der Förderung der gesunden Funktionen als durch Unterdrückung der kranken Anteile behandelt.

Aus dieser Sichtweise gewinnt auch der Gebrauch von Vitarninen eine bessere Bedeutung.

Über die (passive) Vermeidung von Mangelzuständen und Krankheiten hinaus können Vitamine zur Förderung der Gesundheit weiteren Nutzen finden. Diesem Nutzen und vernunftgemäßen Gebrauch steht allerdings eine speziell erfundene Spielregel der orthodoxen industriegeprägten Politik und Krankenkassenbürokratie inclusive der ihr ergebenen Medizintheoretiker entgegen. Diese Regel genießt den Rang eines Dogmas. Sie lautet (im selten öffentlich ausgesprochenen Klartext): Was der "normalen" natürlichen Gesundheit dient, kann nicht Arzneimittel sein. Die Konsequenz daraus: gesundheitsfördernde Mittel, Vorbeugungsmittel werden nicht als Arzneimittel anerkannt. Diese Anerkennung wird ihnen besonders dann versagt, wenn sie keine Nebenwirkungen aufzuweisen haben. Das Dogma sagt: Was keine Nebenwirkungen hat, wird auch keine (Haupt-)wirkung bringen. Die enorme Zunahme der Zivilisationskrankheiten (Allergien, Depressionen, Konzentrationsmangel, Immunstörungen) zwingt uns, nach wirklichen Heilmitteln zu suchen. Diese Heilmittel dürften kaum unter den synthetischen Mitteln der Industriegesellschaft (der Verursacherin), sondern eher im Heilmittelschatz der Natur zu finden sein, die das Leben trotz aller Belastungen noch immer unterhält. Die Arbeit der Lebensreformbewegung beruht auf dem Konzept, Heilung mit Mitteln aus der Natur zu finden. Die gesunde, vollwertige Nahrung ist Grundlage dieses Konzeptes. Eine moderne Variante des Lebensreform-Konzeptes stellt die orthomolekulare Medizin dar, angepaßt an aktuelle Entwicklungen und Möglichkeiten. Sie arbeitet mit Vitaminen in Dosierungen, die weit über den Gehalten der Zivilisationskost liegen. Der zweifache Nobelpreisträger Prof. Linus Pauling definiert diese neue Medizinrichtung so: "Orthomolekulare Medizin ist die Erhaltung guter Gesundheit und die Behandlung von Krankheiten durch Veränderung der Konzentration von Substanzen im menschlichen Körper, die normalerweise im Organismus vorhanden und für die Gesundheit erforderlich sind." Wie sie sehen können, gehört L. Pauling, inzwischen neunzigjährig, noch zu einer Generation von Naturwissenschaftlern, die den Blick für die Natur noch nicht verloren hatte.

Aus meiner persönlichen Arbeit kann ich sagen: Die Anwendung von Vitaminen als Heilmittel möchte ich nicht missen. Dazu gehört auch das Vitamin B15, die Pangamsäure. Dieser wasserlösliche Faktor wurde 1951 von E.T. Krebs und Mitarbeitern in Aprikosenkernen, Hefe und Reiskleie entdeckt. Pangamsäure findet sich außerdem in Sojabohnen und Mais. Auch im Blut von vegetarisch lebenden Tieren (Pferden und Rindern) konnte die Pangamsäure nachgewiesen werden.

Der offiziellen Medizin sind keine Pangamsäuremangelkrankheiten bekannt. Deshalb wird diese Substanz nicht als Vitamin anerkannt. Die Pangamsäure dient der Gesundheits- und Leistungsförderung, nicht dagegen der Vermeidung von Mangelzuständen.

Russische Wissenschaftler stellten die sauerstoffsparende Wirkung der Pangamsäure fest. Die Sauerstoffaufnahme in die Zellen wird nach diesen Untersuchungen erleichtert.

Zudem ist die Pangamsäure aufgrund ihrer Eigenschaft als Methylgruppenspender sehr leberfreundlich.

Ob die Pangamsäure als Vitamin bezeichnet wird oder nicht, ist eher von akademischem Interesse. Feststeht: Wir können hier über einen hochwirksamen Naturstoff verfügen, der nach allen Kenntnissen keine wesentlichen Nebenwirkungen entfaltet, von dem auch keine negativen Wechselwirkungen mit eventuell notwendigen weiteren Medikamenten zu erwarten sind. Allein aus diesen Gründen ist (s.o.) eine begeisterte Aufnahme seitens der offiziellen Medizin kaum zu erwarten. Sie wären deshalb für die Anwendung dieser Substanz auf Ihre Eigeninitiative angewiesen. Dabei würde ich die Anwendung der Pangamsäure nicht als Ersatz für andere, spezifische Maßnahmen, sondern als gesundheitsfördernde, unterstützende Möglichkeit empfehlen.

Persönlich schätze ich die Pangamsäure als unterstützende Substanz für die Grundgesundheit bei Gefährdung durch:

  • Leberkrankheiten (Fettleber, Belastung durch Medikamente, Diabetes mellitus, nach Entzündungen oder Operationen)
  • Störungen der Sauerstoffversorgung (Arteriosklerose, Angina pectoris, bei Durchblutungsstörungen).

Die Anwendung der Pangamsäure ist nicht als spezifische Therapie zu werten, sondern als Förderung der Grundgesundheit - auch und gerade bei den genannten Erkrankungen. Da stellt sie eine zusätzliche Chance und Möglichkeit dar.

Viele Wege führen zur Krankheit, andere Wege zur Gesundheit. Mit fundierten, seriösen Informationen, mit einem guten Maß an Eigeninitiative, unterstützt durch unbedenkliche Naturstoffe, können Sie Ihr Gesundheitspotential verbessern. Damit können auch die Ergebnisse spezifischer Therapien verbessert, die Risiken von Nebenwirkungen vermindert werden.

Die Pangamsäure stellt in den genannten Bereichen einen Baustein zur Gesundheitsförderung dar.

Der schwerste Kampf ist der gegen die rnenschliche Trägheit, die unter der Maske der Nachgiebigkeit, Versöhnlichkeit und Milde das Böse und Unwahre vertuscht und sich

dem Kampfe entziehen will.

 

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