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Sonnenlicht und Hautkrebs-Risiko
Dr. med. Klaus Mohr
Nachdem die Risiken übermäßiger
ultravioletter Strahlung sich in der Bevölkerung weit herumgesprochen
haben, scheint eine differenzierte Abwägung erforderlich.
Sonnenlicht löst im Organismus
zweifellos gesundheitsfördernde und gesundheitsschädigende Wirkungen
aus. Entscheidend dürfte letztlich die vernünftig-vorsichtige
Dosierung sein.
Ohne das Sonnenlicht wäre das Leben
auf der Erde nicht entstanden und weiterhin nicht möglich. Die Sonne
wirkt günstig auf das seelisch-körperliche Wohlbefinden, ist in
kleinsten Dosierungen anregend und immunstimulierend (abwehrsteigernd)
und notwendig für die körpereigene Vitamin-D-Bildung.
In höherer Einstrahlungsdosis löst
das UV-Licht Entzündungen und Verbrennungen der Haut aus
(Sonnenbrand) und wirkt immunsuppressiv (abwehrschwächend). Unter
starker Sonneneinstrahlung bilden sich vermehrt freie Radikale
(Cholesterinoxide) in der Haut, die zur Abwehrschwächung und möglichen
Krebsförderung beitragen können. Im Kindes- und Jugendalter
entstehen durch starke Sonnenstrahlung vermehrt Pigmentnester (Naevi),
die als Ausgangsorte für spätere Melanome gefürchtet sind. Das
spinozelluläre Karzinom der Haut (Stachelzellkrebs) entsteht –
nicht ganz selten - durch jahrzehntelangen ungeschützten Aufenthalt
im Sonnenlicht, z.B. bei Bauern und Gärtnern. Die Nachteile hoher und
langer Sonneneinstrahlung im natürlichen Rahmen könnten durch
ausreichende Versorgung mit Antioxidantien und Radikalenfängern (Betacarotin,
Vit. E, Selen) weitgehend ausgeglichen werden, schon durch hochwertige
Vollwertkost. Hier wäre in der Allgemeinbevölkerung noch vieles zu
verbessern.
In unserer Zeit besteht die
Wunsch-Tendenz, positive Effekte aus der Umwelt soweit wie möglich
auszubeuten, deren mögliche negative Begleitwirkungen aber nicht in
Kauf nehmen zu wollen und diese einseitig zu verurteilen oder zu
verteufeln. Andererseits konsumiert man (traut Substrate mit äußerlich/materiellem
Nutzen und negiert (leugnet, verdrängt) damit verbundene Schäden im
Inneren. So werden z.B. Solarien üppig gebraucht - aus überwiegend
kosmetischen Gründen. Solarien emittieren (wie die Sonne) UVA und
UVB-Licht, auch unzeitgemäß in der lichtarmen Jahreszeit. Der
technische Fortschritt ermöglichte die Selektion des langwelligeren
UVA-Lichtes in den Solarien als zwar bräunende, aber nicht so sehr
sonnenbranderzeugende Strahlung. Deshalb wurden UVA-Strahler als Genuß
ohne Reue propagiert. Doch zeigte sich, daß die Reue hier nur weniger
unmittelbar war. UVA-Licht dringt tiefer in die Haut ein und erzeugt
frühe Alterungsvorgänge, die Basaliome und Spinaliome begünstigen
kann. So war der Fortschritt, den vermeintlich sanfteren Teil des
Sonnenlichtes künstlich herzustellen bzw. zu isolieren, eher ein
weiteres Problem.
Einen echten Fortschritt stellten zu
ihrer Zeit, vor über 100 Jahren, die Licht- und Luftbehandlungen
durch frühe Naturheiler wie Arnold Rikil oder Adolf Just dar, mit
beachtlichen Erfolgen. Das Sonnenlicht war ihnen ein wichtiger
Bestandteil ihres ganzheitlichen Konzeptes.
So unbefangen wie diese frühen
Naturfreunde können wir heute die Heilwirkungen des Sonnenlichtes
nicht mehr genießen. Infolge zivilisatorischer Einwirkungen hat sich
die Qualität und Intensität der Sonneneinstrahlung auf die Erde verändert.
Wir benötigen deshalb heute zusätzliche
Informationen und darauf gegründete Verhaltensregeln:
- Sonnenlicht kann gesundheitsfördernd,
aber auch gesundheitsschädigend sein.
- Entscheidend dafür ist die richtige
Dosierung und die Gewöhnung.
- Zur Gewöhnung ist am besten der
regelmäßige Aufenthalt im Freien, vom Frühjahr bis zum Herbst,
geeignet: in Bewegung mit ständigem Wechsel zwischen Licht und
Schatten. Passive "Bäder" in der prallen Sonne im
Liegen sind immer ungunstig, ganz besonders bei untrainierter
Haut. Der Halbschatten ist der beste Ort.
- Wichtig ist der allmähliche Aufbau
einer Lichtschwelle im Frühjahr, die Bildung des
Sonnenfilterpigmentes in den tiefen Hautschichten. Vitamine (B3,
Folsäure, Betacarotin) helfen dabei von innen her: pflanzliche
Vollwertkost.
- Strahlenschäden der Haut entstehen
vielmehr durch einzelne Überdosierung (Sonnenbrand!) als durch
die Gesamtdosis über die Jahre. Vor allem Kinder sollten keine
Sonnenbrände erleiden müssen!
- Die verbleibenden Nachteile des
Sonnenlichtes bei vernünftigem Gebrauch (u. 2.-6.) sind durch
ausreichende Versorgung mit Antioxidantien zu minimieren (Selen,
Vitamin E).
- Besonders problematische
Stoffwechselprodukte der Haut unter UV-Strahlung sind
Cholesterin-Alpha-Oxyde. Pflanzliche Öle (Cholesterinfrei!) aus
Sonnenschutzmitteln mit zusätzlichen Lichtschutzfaktoren haben
deshalb ihre Berechtigung. Ideal ist die Kombination von: Bewegung
zwischen Licht und Schatten, Ruhen im Halbschatten, luftiger
Bekleidung empfindlicher Hautbereiche, vollwertiger vegetabiler
Nahrung und konsequenter Gebrauch von Lichtschutzpräparaten.
- Solarien: Trainingsinstrumente für
die Kurzreise nach Mallorca? Sicher haben Sie schon Ihr eigenes
Urteil (über beides) gefällt. Die "Sicherheit" des
isolierten UVA ist auch schon fragwürdig geworden (s.o.).
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