Vitamine und Mineralstoffe in der Praxis
Dr. med. Klaus Mohr
A. Die Vitamine
Die öffentliche Diskussion über die Anwendung der Vitamine und Mineralstoffe ist
ziemlich kontrovers - und überhitzt.
Diese Diskussion ist kennzeichnend für eine Wohlstandsgesellschaft, die
Vitaminpräparate billig an jeder Ecke kaufen kann, beinahe schon in jedem Aldi-Laden.
Derartiges verkommt leicht zum Massenkonsumartikel und verliert in der oberflächlichen
Meinung seinen Wert. Geschickte Journalisten sehen darin eine Marktchance, indem sie mit
ihren eigenen Produkten, nämlich ihren Texten, in die entstandene Kerbe schlagen. Etliche
Artikel, z. B. aus Öko-Test, Natur und Stern, oder auch das Buch des Natur-Kolumnisten
und Lebensmitteltechnikers Udo Pollner "Krank durch gesunde Ernährung" führen
eine abfällige Kritik an den Vitaminen vor. Das sind Produktionen einer
Wohlstandsgesellschaft, die den grundlegenden Wert der selbstverständlichen Dinge etwas
aus den Augen verloren hat - und sich stattdessen an Nebensächlichem ereifert. Auf dieser
etwas abgehobenen Ebene sehe ich den aktuellen Stand der Diskussion über die Vitamine
für die Öffentlichkeit.
Vergessen wird dabei über den Tagesgeschäften, daß gerade in der frühindustriellen
Ära Hunderttausende von Menschen an Vitaminmangel elend zugrunde gingen: ausgerechnet
indem Zeitabschnitt, als die Menschen sich anschickten, weiter als je zuvor entfernt von
ihrer ursprünglichen Lebensweise zu leben. Damals grassierten Rachitis, Tuberkulose,
Skorbut, Anämie, Pellagra und Beriberi seuchenartig in den Völkern, die ihre
natürlichen Ernährungsgrundlagen zugunsten des industriellen Fortschritts aufgegeben
bzw. verloren hatten. In diesen Zeiten wären Titel wie "Krank durch gesunde
Ernährung" wie blanker Hohn dahergekommen.
Inzwischen sind Vitamine für alle leicht und billig erhältlich.
Inzwischen ist auch die sorgfältige Erforschung der Vitaminwirkungen weit
vorangekommen. Übrigens wurde die Bezeichnung "Vitamin" erst vor gut 80 Jahren,
nämlich im Jahr 1912 geprägt. Vorher waren die Ärzte und das Volk auf den Gebrauch von
intuitiv bzw. mehr oder weniger zufällig gefundenen Naturprodukten angewiesen zur Rettung
vor Vitaminmangelkrankheiten bzw. Tod an Vitaminmangel. So heilte man z. B. seit dem 16.
Jahrhundert den Skorbut mit Fichtenzweigspitzen.
Inzwischen ist die Versorgung der gesamten Bevölkerung mit Vitaminen ausreichend und
relativ billig möglich.
Defizite bestehen aber noch:
- bei Schwangeren: bei 78 % der Frauen war zumindest ein Vitamin von der Menge her
unzureichend vorhanden. Aufgeschlüsselt nach einzelnen Vitaminen bestand ein Mangel
an:
| Vitamin B1 |
bei 36 % |
| Vitamin B12 |
bei 31 % |
| Vitamin B6 |
bei 29 % |
| Vitamin C |
bei 27 % |
| Folsäure |
bei 24 % |
| Biotin |
bei 5 % |
aller Schwangeren, gemäß einer Untersuchung in der Schweiz.
-
bei älteren Menschen: schwerer, hochgradiger Vitaminmangel besteht bei 6-8 % der
Älteren. Rund 40 % aller älteren Menschen weisen einen zwar
leichtergradigen, aber schon
bedenklichen Vitaminmangel auf. Dies betrifft vor allem die Folsäure sowie die Vitamine B1,B12,
B6, A, D, E und K.
Als Folgen dieses vermeidbaren Vitaminmangels sind
-
fortschreitende Arteriosklerosen, Herz- und Gefäßerkrankungen
-
Immunstörungen
-
größere Tumoranfälligkeit bzw. -häufigkeit sowie
-
Funktionsstörungen des Nervensystems
zu befürchten.
Die biochemische Forschung hat inzwischen wissenschaftlich fundiert die mögliche
Schutzwirkung von Vitaminen gegenüber diesen Erkrankungen nachgewiesen. An diesen
Erkenntnissen kann eigentlich kein verantwortungsbewußter Arzt mehr vorbeigehen.
Allerdings scheinen, zumindest nach einer Untersuchung aus den siebziger Jahren,
Mega-Vitamingaben auf das Immunsystem nur eine gering fördernde Wirkung zu haben. Gegner
höherer Vitamindosierungen berufen sich oft auf diese Studie.
Neuere Studien zeigten positive Auswirkungen auf das Immunsystem. Darüber werde ich
später berichten. Offiziell wird der Ausgleich von Mangelzuständen weit wichtiger
angesehen als der eventuell darüber hinausgehende Nutzen von Überschüssen. Allerdings
ist das ausreichende Maß durchaus nicht immer präzise festzulegen - insbesondere im
individuellen Fall. Deshalb ist ein dezenter Überschuß an den ungiftigen Vitaminen
medizinisch durchaus zu rechtfertigen und insofern eher ein wirtschaftliches Problem (aber
nur ein geringes).
Bezüglich der Schutzwirkung gegenüber der Arteriosklerose besteht inzwischen kaum
noch ein ernsthafter wissenschaftlich begründeter Zweifel am positiven Nutzen der
Folsäure, der Vitamine B, A und E, sowie - diese ergänzend - des Vitamin C. Da die
molekularbiologische Wirkung, auch dosisabhängig, eingehend geklärt ist, können hier -
bis auf das Vitamin A - überdurchschnittliche Dosierungen bereits vorsichtig empfohlen
werden.
Ein erhöhter Vitaminbedarf entsteht durch einige gebräuchliche Medikamente, die
entweder die Aufnahme oder die Verwertung bestimmter Vitamine behindern können.
| Eventuell beeinträchtigte
Vitaminwirkung durch: |
Medikament |
| Folsäure: |
Acetylsalicylsäure, syntheti-
sche Hormone, Methotrexat, Triamteren, Barbitursäureabkömmlinge |
| B1: |
Digitalisglykoside |
| B6: |
L-Dopa, Hydralazin, Isoni- azid |
| B12: |
Biguanide, Colchicin |
| A, D, E: |
Colestyramin |
Die Vitaminaufnahme kann aber auch durch die Erkrankung selbst bedingt sein: Bei
Gallensekretionsstörungen, entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder
Morbus Crohn, chronischen Durchfällen, Operationsfolgen finden sich regelmäßig
Mangelzustände, vor allem an fettlöslichen Vitaminen. Bei der chronischen
Niereninsuffizienz ist die Hydroxylierung von 25-Hydroxycalciferol in die eigentliche
Wirkform des Vitamin D, nämlich in das 1,25-Dihydroxycalciferol, behindert. Deshalb muß
hier dieser Metabolit gezielt verabreicht werden. Weiterhin sind bei der
Niereninsuffizienz ständig höhere Gaben von Vitamin C, Folsäure und Vitamin B,
notwendig.
Auch schädliche Konsumgewohnheiten wie Alkoholtrinken und/oder Zigarettenrauchen, aber
auch Schlankheitskuren, einseitige Ernährung erfordern eine höhere Vitaminzufuhr
(Vitamin C, Folsäure, Betacarotin bzw. Vitamin A, B1, B2, B3,
B6, und B12,), um wenigstens die schlimmsten Folgen zu lindern. Von
den Mineralstoffen her ist eine sorgfältige Ergänzung mit Magnesium, Zink, Kalzium,
Selen und eventuell Kupfer in Betracht zu ziehen.
Die bisherigen Feststellungen betreffen zunächst den Vitaminmangel. Der Mangel ist die
klarste - und zweifelsfrei notwendige - Indikation für gezielte Vitamingaben.
Die orthomolekulare Medizin probiert einen weitergehenden Nutzen höherer Vitamindosen
- im Bereich des 5 bis 10fachen der BGE-Empfehlungen zur Gesunderhaltung. Als erstes
Problem bleibt jedoch die möglichst frühzeitige Erkennung eines Vitaminmangels. Die
spezifischen Krankheitszustände durch schweren chronischen Mangel an einem Vitamin
sind für den Erfahrenen aufgrund ihrer charakteristischen Symptome vergleichsweise leicht
erkennbar. Schwieriger wird die Diagnose schon, wenn Mischbilder durch schweren Mangel an
mehreren Vitaminen vorliegen, zumal diese Bilder auch noch von der Grunderkrankung
überlagert sind. Die Erfahrung aus der Praxis zeigt, daß der Vitaminmangel als
Komplikation der Grunderkrankung oft übersehen wird. Dabei wäre der gesamte
Krankheitsverlauf mit gezielten Vitamingaben zum Günstigen hin zu beeinflussen gewesen.
Noch schwieriger
ist die Diagnose des frühen, latenten (also von den
Symptomen her noch verborgenen) Vitarminmangels. Dieser grenzwertige Vitaminmangel
ist besonders häufig und gleichzeitig besonders schwer zu erkennen. Hier muß die
offizielle Medizin - die - auch politisch/wirtschaftlich - ohnehin auf effiziente
Diagnostik und Therapie bereits vorhandener Krankheitszustände hin programmiert
ist, zwangsläufig resignieren.
Auch durch Bestimmung der Blutspiegel ist ein Vitaminmangel nicht sicher
diagnostizierbar, da die Speicher in den Körperzellen auch bei noch normalen
Serumkonzentrationen schon mehr oder weniger geleert sein können.
Eine Einteilung des Vitaminmangels läßt sechs Stadien abgrenzen:
| Bei körperlicher
Untersuchung nicht erkennbar |
-
Abfall der Gewebsspiegel
|
Serumspiegel noch
normal |
|
- Verminderung von Vitaminumsatz und Ausscheidung
|
|
|
- Einschränkung von vitaminabhängigen Enzym und Hormonaktivitäten z.B. Abfall der
Carnitin-Synthese, vermehrte Histaminfreisetzung
|
Serumspiegel oft noch
normal |
| Bei körperlicher
Untersuchung i.d.R. erkennbar |
- Unspezifische klinische Symptome, z. B. Müdigkeit, Leistungsschwäche,
Appetitlosigkeit, häufige Erkältungen
|
|
|
|
Serumspiegel i.d.R.
nicht mehr normal |
|
- Irreversible Gewebs- und Organschäden, durch Vitamingabe nicht mehr heilbar
|
|
Das große Problem bei Vitaminmangelzuständen besteht darin, daß sie jahre- oder
jahrzehntelang im Stadium 3 oder gar 4 bleiben können, ohne erkannt zu werden. Über
die langfristigen Folgen des latenten Vitaminmangels ist bis heute wenig bekannt. Die
wissenschaftlichen Untersuchungen sind zu kurzzeitig, um Langfristfolgen sicher erkennen
zu können.
Deshalb sind die wichtigsten Fragen wissenschaftlich nicht beantwortet:
-
Erbringt eine optimale Vitaminversorgung über die gesamte Lebenszeit eine längere und
gesündere Lebensspanne (Lebenserwartung)?
-
Sind typische Alterserkrankungen wie Arteriosklerosen, Demenzen, Alzheimer, rheumatische
Erkankungen durch optimale Vitaminzufuhr zu vermindern?
-
Kann eine unzureichende Vitaminzufuhr Kreislauf- oder Tumorerkrankungen begünstigen?
Ganz sicher ist Krebs oder auch die Arteriosklerose keine Vitaminmangelerkrankung.
Genauso ist z. B. eine bakterielle Infektion keine Antibiotika-Mangelerscheinung.
Andererseits ist aber bei einem Mangel an bestimmten Vitaminen:
-
die Tumorentstehung erleichtert, z.B. bei Mangel an Folsäure, Vitamin A, evtl. Vitamin
C
-
die Funktion des Immunsystems beeinträchtigt
-
die Degeneration von Zellstrukturen und z. B. auch der Arterienwände vermehrt, z.B. bei
Mangel an Vitamin C, E, Folsäure, Betacarotin, Vitamin B6.
Für diese vermehrte Krankheitsanfälligkeit bzw. Degeneration bei Vitaminmangel gibt
es fundierte biochemische sowie epidemiologische Belege. Nach meiner persönlichen
Überzeugung sind mittels optimierter Vitaminzufuhr etliche degenerative Erkrankungen des
Gefäß- und Nervensystems und sicher auch einige Tumorerkrankungen vorbeugend zu
verhindern. Das gilt insbesonders für Menschen, die sich in einem latenten Vitaminmangel
der Stadien 2-4 befinden. Aufgrund der biochemischen Individualitat kann z. B. der
individuelle Vitamin-C-Bedarf in einem Bereich zwischen 100 mg bis 3g liegen!
Angesichts der großen therapeutischen Breite bzw. der geringen Toxizität der
wasserlöslichen Vitamine sowie des Vitamin E halte ich die gesamte Aufregung über - in
vernünftigem Ausmaß - erhöhte Vitaminzufuhr für übertrieben oder sogar nachteilig.
Häufig wird von Gegnern einer erhöhten Vitaminversorgung auf schädliche Wirkungen
der Vitamine hingewiesen. Diese Hinweise sind bis auf die allbekannten
Hypervitaminosen A und D nicht fundiert belegt und daher eher als Weltanschauung
anzusehen. Zwischen den Bedarfsempfehlungen der DGE und der zweifelsfrei unschädlichen
Vitamindosierung besteht ein Sicherheitsfaktor
von 7 für Vitamin A,
von 5 für Vitamin B,
80 für Vitamin E
70 für Vitamin C,
50 für Nitacin,
100 für Vitamin B6
(und weit darüber für die übrigen B-Vitamine (z.B. 1300 für Folsäure))
Durch Multiplikation der Bedarfsempfehlung mit dem Sicherheitsfaktor ergibt sich die
nach Auswertung zahlreicher Untersuchungen sicher unschädliche Zuführ des
jeweiligen Vitamins.
Die orthomolekulare Medizin
Ein neuer, komplementärer Zweig der Medizin wendet Vitamine in höherer Dosierung an,
als sie den ofiziellen Empfehlungen entspricht: das ist die orthomolekulare Medizin.
Die Denkweise der orthomulekularen, Medizin soll hier am "Modell" Vitamin C
erläutert werden:
Physiologische Wirkungen des Vitamin C:
-
Beteiligung an mikrosomalen Hydrökyllerungsreaktionen
= Inaktivierung vieler Arzneistoffe und Gifte, wichtig für Cholesterinabbau und
Ausscheidung
-
Beteiligung an Oxygenase-Reaktionen, notwendig für die Bildung bzw., Freisetzung von
Calcitonin, Cholecystokinin, CRF, Gastrin, Melanotropin, Carnitin
-
Beteiligung an der Kollagensynthese
-
Hemmung der Nitrosaminbildung aus Nitrit und sekundären Aminen. Nitrosamine sind
cancerogen und lebertoxisch
-
Immunmodulation bzw. -kräftigung
-
Eisenreduktion (Fe3+ und Fe2+) und Resorption
Körperpool bei Sättigung ca. 3g Vitamin C biol. Halbwertszeit im Körper 10-30 Tage.
Die FähigKeit zur Vit.-C-Bildung ging dem Menschen vor ca. 40 Mio. Jahren verloren.
Der Verlust war evolutIionär möglich, weil genügend Vit. C aus der Nahrung aufgenommen
wurde: damals ca. 500 mg/Tag.
Zur Skorbutverhütung genügen 10 mg/Tag, Für höhere Funktionen ist weitaus mehr
erforderlich.
Z. B. Lp(a)
kommt nur bei Meerschweinchen, Menschenaffen und Menschen vor (= Organismen ohne eigene
Vit.-C-Synthese); seit ca. 40 Mio. Jahren, also seit dem Verschwinden der Körpereigenen
Vitamin-C-Bildung.
Funktion des Lp(a): "Gewebskleber" bei Kollagen- und Elastinmangel durch
Vit.-C-Defizite (z.B. bei Skorbut).
Nachteil des Lp(a): hemmt Plasminogen, fördert dadurch Anlagerungen an die
Gefäßwände.
Die Lp(a)-Spiegel sind mit den Blutfettwerten korreliert. Bei Diabetikern steigt das
Lp(a) an - und sinkt wieder etwas bei guter Einstellung. Ebenfalls erhöht ist das
Lp(a)
bei Niereninsuffizienz, auch bei Dialyse. Optimal sind Lp(a)-Werte von 10-20 mg/dI, von
20-40 mg/dl an besteht erhöhtes, bei über 40 mg/dl sehr hohes Arteriosklerose- bzw.
Infarktrisiko. Das entsprechende Risiko bei erhöhtem Lp(a) ist mehrfach höher als bei
gesteigerten Cholesterinwerten.
Nach der Hypothese von L. Pauling und M. Rath ist Lp(a) beim Menschen und einigen
Tierarten der Ersatzstoff für Vitamin C zur Wundheilung, Matrixstärkung der Zellwände
und zur Verhinderung der Lipidperoxidation. Der gewichtige Unterschied zwischen dem
Vitamin C und dem Ersatzstoff Lp(a) liegt darin: bei hohen Lp(a)-Werten tritt
Arteriosklerose verstärkt auf, Vitamin C wirkt dagegen arteriosklerosehemmend!
Lp(a) wird nicht gesenkt durch lipidsenkende Diät oder Medikamente, auch nicht
durch Gewichtsreduktion.
Erhöhte Lp(a)-Werte
sind als Risikofaktor der Arteriosklerose ca. 5-10mal
schwerwiegender als erhöhte Cholesterin - insbesonders LDL-Cholesterinwerte. Daher ist
deren Anwendung nur dann sehr erfolgreich, wenn das Lp(a) nicht gleichzeitig erhöht war.
Einige Widersprüche der Cholesterinhypothese sind so erklärbar, ebenso das Auftreten von
Herzinfarkten bei nichtrauchenden Sportlern mit normalen LDL-Cholesterinwerten.
Durch Vitamin-C-Dosierungen von ca. 500 mg (bis 1g) läßt sich das Lp(a) um ca. 25 %
senken. Mit Niacin oder Niacinamid (100 mg bzw. 250 mg/Tag) sinken die Lp(a)-Spiegel um
rund 30%. Damit besteht ein nebenwirkungsarmer Ansatz zur wirkungsvollen Senkung des
Arteriosklerose und Infarktrisikos.
Sehr interessant - und wichtig - sind die Bezüge zwischen der Lp(a)-Hypothese und den
Hypothesen zur Lipidoxidation bzw. dem Homocystein. Denn das Lp(a) wirkt auch als
Antioxidans, aber insuffizienter als die Kombination der Vitamine C und E. Und das
Homocystein ist ebenfalls ein Notprodukt des Organisums bei Vitaminmangel (B6,
Folsäure, B12, Cholin), insofern vergleichbar dem Lp(a), auch mit
arterienschädigender Wirkung.
Als wichtigste Indikationsgebiete der Vitamine in der vorbeugenden Anwendung sehe ich
-
die Funktionserhaltung und -kräftigung des Immunsystems
-
die Erhaltung der Arterienwände bzw. die Arterioskleroseverhinderung
-
damit Infarktschutz
-
Beitrag zur aktiven Tumorprävention
-
Verlängerung der gesunden Lebensspanne.
Darüber hinaus gibt es einige befriedigende Indikationen für eine Therapie mit
Vitaminen, die allerdings der ärztlichen Diagnostik und Therapie vorbehalten sind:
Bestimmte
-
Hauterkrankungen, z. B. Neurodermitis und Psoriasis
-
psychische Erkrankungen
-
Schmerzleiden
-
Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises
-
Allergieformen
gehören zu diesen Indikationen.
Dabei werden die Vitamine
-
nach sorgfältiger Diagnostik,
-
innerhalb eines inhaltlich und zeitlich definierten Therapieplanes,
-
in gezielter Dosierung und präziser Überwachung,
-
ergänzend zu anderen Behandlungsmaßnahmen,
angewendet.
Die fundierte Anwendung von Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und einigen
weiteren natürlichen, im Körper ohnehin vorhandenen Substanzen ist das Arbeitsgebiet der
orthomolekularen Medizin - in Therapie und Praxis.
Das griechische Wort "ortho" bedeutet: richtig bzw. gut; die richtigen
Moleküle in den richtigen Mengen.
Die orthomolekulare Medizin wurde begründet von dem Biochemiker und zweifachen
Nobelpreisträger Prof. Linus Pauling.
Linus Pauling hat sein Anliegen so fornuliert:
"Orthomolekulare Medizin ist die Erhaltung guter Gesundheit und die Behandlung von
Krankheiten durch Veränderung der Konzentration von Substanzen im menschlichen Körper,
die normalerweise im Organismus vorhanden und für die Gesundheit erforderlich sind."
(Science 160, 265 [1968]).
Das Konzept - und die wissenschaftlichen Arbeiten von Prof. Pauling halte ich
persönlich für einen sehr
-
erfolgversprechenden,
-
natürlichen,
-
einfachen,
-
breit wirksamen,
-
dazu absolut preiswerten und praktisch neberiwirkungsfreien Ansatz zur Erhaltung und
Wiedergewinnung von Gesundheit.
Die Vitamindosierungen in der orthomolekularen Therapie liegen über den
Bedarfsempfehlungen der DGE bzw. den RDA. Dabei werden grundsätzlich auch die anderen
Vitamine in erhöhter Dosis mitgegeben, um keine Ungleichgewichte zu schaffen.
Vergleichsweise kann eine Kette nur so viel halten wie ihr schwächstes Glied. Man kann
diese Therapie keinesfalls mit den üblichen unterdosierten und deshalb billigen
Multivitaminpräparaten vergleichen.
Gegner der o.M. bezeichnen dies als Schrotschußtherapie, bei der vor allem teurer Urin
produziert würde.
Allerdings sprechen die Ergebnisse der o.M. für sich. In einer Studie von R. K.
Chandra vom Zentrum der Weltgesundheitsorganisation für ernährungsbedingte Immunologie,
Baltimore, USA, wurde der Einfluß einer Supplementierung mit Vitaminen und
Spurenelementen in orthomolekularer Dosierung auf den Immunstatus gesunder, über
65jähriger Menschen, die zu Hause lebten, untersucht. Bei Personen mit Heimverpflegung
wäre ein noch ausgeprägterer Effekt zu erwarten. Die Untersuchung lief über ein Jahr
und bezog eine Vergleichsgruppe (gleiche Eigenschaften, gleiche Zahl) mit ein, die keine
Supplementierung erhielt. In der supplementierten Gruppe waren die Immunparameter
signifikant verbessert:
| die Zahl der
T-Lymphzellen |
um
+22 % |
| der NK-Zellen |
um
+56% |
| die
Lymphozytenreaktion |
um
+97% |
| der
lnterleukin-2-Spiegel |
um
+170% |
Diese Zahlen sprechen in überzeugender Weise für sich.
Für die Praxis (und die Gesundheitspolitik) wichtig ist:
die Häufigkeit und die Dauer von Infektionskrankheiten gingen um gut die Hälfte
zurück, entsprechend wurden auch knapp 50 % weniger Antibiotika verordnet.
Es ist zu erwarten, daß diese äußerst erfreuliche Verbesserung der Immunfunktionen
sich auch günstig, nämlich verhindernd, auf Tumorerkrankungen auswirkt.
Tatsächlich wurde in einer 10-Jahres-Studie mit Vitamin-Supplementierung eine
Verringerung der
Krebssterblichkeit um
22% bei den Männern bzw.
25 % bei den Frauen,
an Herzerkrankungen um
42% bei Männern bzw.
20% bei Frauenfestgestellt.
Das entspricht einer Verlängerung der Lebenserwartung um mindestens 6 Jahre.
An diesen Zahlen dürften wir im Interesse der uns Anvertrauten einfach nicht
vorbeigehen.
Die konkreten Dosierungen der o.M. für die einzelnen Vitamine sind:
| Vit. C |
300 mg (-1 g) oder noch mehr |
| Vit. E |
100-200 mg |
| Vit. A |
2000-3000 E |
| Betacarotin |
10-15 mg |
| Vit. B1 |
7,5-25 mg |
| V't. B2 |
7,5-25 mg |
| Vit. B6 |
7,5-25 mg |
| Niacinamid |
50-250 mg |
| Folsäure |
0,4-1 mg |
| Vit. B12 |
5-15µg |
| Panthotensäure |
10-50 mg |
| Vit. D |
100-200 IE |
Aus allen bereits ausführlich besprochenen Gründen werden die Vitamindosierungen in
der orthomolekularen Medizin fast immer höher gewählt als in den offiziellen
Bedarfsempfehlungen der Ämter bzw. Gesellschaften.
B. Mineralstoffe und Spurelemente
Dagegen orientieren sich die Dosierungen der Spurenelemente sehr eng am Tagesbedarf,
der aus der optimalen Zufuhr mit der Nahrung bzw. aus der täglichen Ausscheidung
ermittelt wurde. Diese Dosierungen stimmen weitgehend mit den DGE-Empfehlungen überein.
Lediglich bei besonderen Verlusten bzw. Mangelzuständen ist - so lange wie notwendig -
eine höhere Zufuhr erforderlich.
Eine überhöhte Zufuhr an Mineralien und Spurenelementen ist nachteilig, da sie zu
Verlusten an deren biologischer Wirkung - eventuell sogar zur Wirkungsumkehr durch
Gegenreaktionen des Körpers oder zu Gleichgewichtsstörungen mit anderen Elementen
führen kann.
Das Motto: "Viel hilft viel" hat hier keinen Platz.
Bei den Mineralstoffen und Spurenelementen ist also ein höherer Überschuß ähnlich
ungünstig wie ein Mangel.
Deshalb ist in jedem Zweifelsfall die sorgfältige Bestimmung des Mineralien- bzw.
Spurenelementhaushalts erforderlich. Die Messung der Serumspiegel ist dafür in der Regel
nicht allein ausreichend, da die Serumspiegel vom Organismus noch lange konstant gehalten
werden, wenn die Gewebe verarmt (oder auch überladen) sind. Manchmal steigen bei
Krankheits- oder anderen Streßreaktionen die Serumspiegel zu Lasten der Gewebe sogar an:
wie z.B. das Kupfer bei entzündlichen Abläufen.
Als komplementärer Zugang kann deshalb die Haarmineralienanalyse mit sachverständiger
Interpretation wichtige Informationen liefern. Das Problem hierbei ist die kompetente
Bewertung. Meines Wissens arbeitet ein erfahrener Reformwarenhersteller, der bereits
präzise und kostengünstige Analysen für Reformhauskunden anbietet, intensivan einem
derartigen Leitfaden für die individuelle Bewertung.
Ein sorgfältiger Mineralien- und Spurenelemente erforderlich. Die Messung der
Serumspiegel ist dafür in der Regel nicht allein ausreichend, da die Serumspiegel vom
Organismus noch lange konstant gehalten werden, wenn die Gewebe verarmt (oder auch
überladen) sind. Manchmal steigen bei Krankheits- oder anderen Streßreaktionen die
Serumspiegel zu Lasten der Gewebe sogar an: wie z.B. das Kupfer bei entzündlichen
Abläufen.
Als komplementärer Zugang kann deshalb die Haarminieralienanalyse mit
sachverständiger Interpretation wichtige Informationen liefern. Das Problem hierbei ist
die kompetente Bewertung. Meines Wissens arbeitet ein erfahrener Reformwarenhersteller,
der bereits präzise und kostengünstige Analysen für Reformhauskunden anbietet, intensiv
an einem derartigen Leitfaden für die individuelle Bewertung.
Ein sorgfältiger Mineralien- und Spurenelementstatus liefert wichtige
Entscheidungsgrundlagen für die Gesunderhaltung bzw. die Heilung, zumal dieser Bereich in
der offiziellen Medizin auch aus Zeit und Kostengründen - im Einzelfall noch wenig
beachtet wird..
Auf einzelne Spurenelemente kann ich im Rahmen dieser Übersicht nicht eingehen.
Dringend hinzuweisen wäre lediglich auf das Problemelernent Selen, das auch in
Deutschland allein mit der Nahrung nicht in optimaler Menge zugeführt wird. In früheren
Ausgaben der Reform-Rundschau wurden dazu bereits detaillierte Informationen mitgeteilt
(Heft 6/1994, Seite 15 ff.).
Wichtig für Ihre Beurteilung bzw. Ihre Arbeit könnte vielleicht noch ein
abschließender Vergleich der Mineral- bzw. Spurenelemente mit den Vitaminen sein:
Die Vitamine wirken weitestgehend synergistisch in gemeinsamer Verstärkung auf die
Lebensfunktionen.
Dagegen wirken die Mineral- und Spurenelemente gruppenweise antagonistisch, teilweise
gegeneinander. Das ist kein völlig körperfremdes Prinzip, denn in unserem
lebenswichtigen vegetativen Nervensytem wirkt z.B. auch der Parasympathikusanteil
antagonistisch mit dem Sympathikus. Hier finden wir nun eine Beziehung mit den Mineral-
und Spurenelementen, die wir gegebenenfalls therapeutisch nutzen können: fördernd auf
die Sympathikusfunktionen wirken Calcium, Natrium, Kupfer, Chlorid.
Fördernd auf den Parasympathikus, also auf den Erholungsnerven, wirken Kalium,
Magnesium, Eisen und Zink.
So ist bei kompetenter Anwendung über die bloße Beseitigung von Mangelzuständen oder
die, Vermeidung von Überschüssen hinaus auch eine heilsame, feine Beeinflussung von
vegetativen Gleichgewichtsstörungen möglich.
Mit dem fundierten Verständnis der feinen Wirkungen körpereigener Substrate sind
jedenfalls positive Einwirkungen auf die Erhaltung der Gesundheit möglich - und auch,
komplementär mit anderen Therapien, auf die Heilung von Krankheiten.
Die offizielle Medizin verfolgt einen anderen Zugangsweg, vorwiegend mit körperfremden
Stoffen und Maßnahmen. Keinesfalls möchte ich diesen technischen, heutzutage manchmal
unumgänglichen und auch hilfreichen Weg herabwürdigen. Für meine eigene Arbeit
bevorzuge ich jedoch, soweit möglich und sinnvoll, die Anwendung von körpereigenen
Schutzstoffen schon um vermeidbar Schlimmeres zu verhindern.
|