Weißdorn für das Herz
Dr. med. Klaus Mohr
Heilsame Mittel aus dem
Weißdornstrauch haben sich in der naturheilkundlichen Praxis seit
langem bewährt.
Intensiv, eigenartig
süß und aromatisch duften die Blüten des Weißdorns an den ersten
warmen Vorsommertagen. Geheimnisvoll anregend wirkt dieser Duft in der
Abendkühle nach dem hellen Tag auf den stillen Wanderer am Waldrand.
Im Herbst leuchten die hellroten Früchte des Weißdorns freundlich
aus dem dornigen Geäst, dessen Blätter sich allmählich zu lösen
beginnen.
Naturbewußt lebende
Menschen fühlen sich von diesem bescheidenen, aber äußerst vitalen
und zähen Strauch sehr angesprochen. Auf kargen, lehmigen Böden wächst
er, gerne in der Nachbarschaft von Schlehen und Rosen. Botanisch zählt
der Weißdorn, wie auch die Schlehe, zu den Rosengewächsen:
typischerweise zähwurzelnden, in ihrem Holzfesten und sogar dornigen,
aber in ihrer Blüte sich verströmenden und reichlich früchtetragenden
Gewächsen. Die Rose ist das Symbol der sich ewig neu entfaltenden
Welt.
Im Zeitalter äußeren
Zerfalls entstanden jedesmal innere Verbindungen zwischen
gutmeinenden, gebildeten, suchenden Menschen, die an die Evolution der
Schöpfung und eine bessere Welt glaubten: mit dem Symbol des Kreuzes,
von Rosen umwunden. Die Bruderschaft vom Rosenkreuz ist eine
tiefinnere Gemeinschaft von Menschen, die sich wesensverwandt fühlen
und einander helfen, die Not der Weit zu bestehen.
Etwas davon verspürten
naturnahe Menschen auch im Weißdorn, der seit dem 1. Jahrhundert nach
Chr. in den Kräuterbüchern erwähnt wird. Erst in unserem
Jahrhundert wurde die besondere Heilkraft des Weißdorns zur Kräftigung
des Herzmuskels und zur Verbesserung der Koronardurchblutung
herausgearbeitet. Wesentlich beigetragen zu dem "Siegeszug"
des Weißdorns hat der qualitativ hervorragende, wirkstoffreiche Weißdornsaft
des Reformhauses aufgrund guter Selbsterfahrungen zur Kräftigung des
Herzens. Erfahrene Ärzte bestätigen die Wirksamkeit des Weißdorns
auf
- die Durchblutung des Herzens (z. B. bei Verengungen
der Herzkranzgefäße)
- die Verbesserung der Herzmuskelkraft
- die Kapillarregulation
- die Senkung des peripheren
Kreislaufwiderstandes
- bestimmte Rhythmusstörungen.
Heute ist der Weißdorn
ein gut etabliertes Mittel bei der Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche)
Stadium II (evtl. sogar III) nach der Klassifizierung der New York
Heart Association (NYHA). In dieser Situation konnte es nicht
ausbleiben, daß sich auch mehr industriell und materiell orientierte
Arzneimittelhersteller des Weißdorns bemächtigten. Sie schufen
Standardisierungen, die nach ihren Präparaten ausgerichtet waren. Die
konzentrierten Weißdornpräparate wurden schließlich sogar gegen die
modernen ACE-Hemmer in wissenschaftlichen Studien geprüft - und für
definierte Prüfparameter als gleichwirksam befunden. Den
tiefwissenden Naturheilkundigen verblüffen diese Studienergebnisse
nicht weiter. Dabei sind die Weißdornpräparate allerdings wesentlich
nebenwirkungsärmer (praktisch nebenwirkungsfrei) im Vergleich mit den
modernen synthetischen Mitteln. Ungeachtet ihres Freiseins von
Nebenwirkungen und ihrer anerkannt guten Wirksamkeit werden die Weißdornpräparate
jetzt dem Rastermaß synthetischer Mittel unterworfen – mit dem sie
sogar erstaunlich gut standhalten können. Trotzdem werden altbewährte
Weißdornpräparate wissenschaftlich und amtlich in die Defensive gedrängt.
Würden wir den Spieß
umdrehen - und die praktisch nicht vorhandene Nebenwirkungsquote des
Weißdorns samt seines ökologischen und emotionalen Nutzens als
Richtmaß für die modernen synthetischen Mittel verlangen: keines würde
bestehen.
Eine derartige
Beweisumkehr auf andere würde der bescheidene Weißdorn selber nicht
wollen. Lieber bleibt er am Waldrand, beschützt sein Biotop - und
nebenbei auch noch angegriffene menschliche Herzen. Es ist schon
wohltuend, zu sehen, wie still und geduldig, dabei aber erfolgreich er
seine Aufgaben meistert.
In der Praxis habe
ich schon vielmals die beglückende Erfahrung gewinnen dürfen: Sogar
bei klinisch "ausbehandelten" Patienten mit trotzdem noch
verbleibender Herzmuskelschwäche oder Durchblutungsproblemen bringt
der Weißdorn neben den ausgefeiltesten modernen Therapien fast immer
noch eine zusätzliche positive Wirkung. Die Wirkungs- und Belastungsfähigkeit
steigt, die Kurzatmigkeit wird gelindert. Der Weißdorn verträgt sich
problemlos mit allen anderen Therapien. Relevante Wechsel- oder
Nebenwirkungen sind nicht aufgetreten bzw. bekannt. Daher ist die
Kombination eigentlich immer gut möglich - und sinnvoll.
Der
verantwortungsbewußte Arzt befindet sich derzeit in einem Dilemma:
Auf der einen Seite stehen die modernen, oft hocheffektiven
synthetischen Herzmittel und Eingriffe, die - in großen Studien geprüft
- den offiziellen Standard der Therapie darstellen. Jedoch haben auch
diese Therapien ihre Probleme und ihre Grenzen.
Auf der anderen
Seite steht der einfache und bescheidene Weißdorn, offiziell manchmal
noch verachtet, aber mit erstaunlich guter Wirksamkeit bei
mannigfachen Herzproblemen, aus der Erfahrung von vielen Patienten und
des Arztes bewährt - und dazu praktisch nebenwirkungsfrei. In dieser
Situation halte ich die Integration des Weißdorns in die bestehende
Therapie für die beste Lösung für den Patienten. In der Praxis ist
das ohne weiteres möglich, auch mit allen guten Weißdornpräparaten
des Reformhauses.
Am
besten scheint mir allerdings die herzschützende Vorsorge, die spätere
massivere Therapien weitgehend erübrigen sollte: eine gesunde
Lebensweise mit bescheidener, gewebsschützender Nahrung (dazu noch
gefäßschützende bioaktive Substanzen, ergänzend zu reichlicher
Bewegung und freundlich zufriedener Lebenseinstellung). Wenn dann noch
ab den vierziger Lebensjahren qualitativ gute Weißdornpräparate zum
weiteren Schutz des Herzens genommen werden sollte zumindest diesbezüglich
größeres Unheil zu vermeiden sein.
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