Zum klugen Nutzen von Vitamin C
Dr. med. Klaus Mohr
Die Ursache der Verirrung liegt wahrscheinlich in der
Isolierung der Naturstoffe und den isolierten Analysen. Zweifellos
bringen diese Isolierungen wichtige neue Erkenntnisse, aber auch
existentielle Irrtümer. Sehr erfolgreiche Naturwissenschaftler haben
dabei Gesundheit und Leben verloren. Doch hat die Naturwissenschaft
weiter auch aus ihren Irrtümern gelernt - und ist dabei sicherer
geworden.
Das Bonmot:
"Die Erkenntnisse von heute sind die Irrtümer von morgen",
halte ich daher für zu oberflächlich. Denn es gibt inzwischen schon
sehr verläßliche Daten und Einzelerkenntnisse. Das Problem besteht
mehr in deren Zusammenfügung und Bewertung. Längst kann kein Mensch
auch nur annähernd alle Einzelkenntnisse speichern oder auch nur übersehen.
Darin liegt eine ernstzunehmende Gefahr, weil jeder Forscher seine
Kenntnisse für besonders wichtig hält und andere aus diesem
Blickwinkel bewertet. Leicht entstehen so Vorurteile und
Einseitigkeiten. Kompliziert wird dieser Prozeß noch durch Medien,
die auf Sensationen spezialisiert sind. In einer übersättigten
Wohlstandsgesellschaft finden rational unerklärliche positive und
mehr noch die negativen Sensationen besondere Aufmerksamkeit. So ist
das Denken und Fühlen in unserer Gesellschaft - neben einigen
Wundererwartungen - von Angst, Mißtrauen und Ablehnung bestimmt.
In diesem
"Fortschritt" sehe ich die große Gefahr: aus Entwurzelung
und Orientierungsstörungen. Denn danach ist nichts mehr bedingungslos
und vollständig gut, sondern nur noch mehr oder weniger schädlich:
überwiegend mehr.
Es ist schon eine
bittere Ironie: Die Menschen erhielten die Konzession, sich die Erde
untertan zu machen. Sollte das nicht heißen: die Erde zu einem
fruchtbaren, gastfreundlichen Garten zu gestalten und mit ihrer
Vernunft, mit ihrer Sehnsucht nach Güte, Liebe und Nachhaltigkeit zu
erfüllen? Individuell gibt es gute Ansätze dafür. Aber kollektiv
herrschten die Gewalt, die Ausbeutung und - nach wie vor - die
Umweltschädigung. Die Menschheit ist bulldogartig, mit Giften,
Sprengstoffen und Versiegelungen, gegen die Natur vorgegangen. Die
Ironie ist: Danach fürchtet sie sich vor bis dahin lebensfördernden
Naturstoffen. Die Bankiersgemahlin, deren Gatte täglich Millionenbeträge
bewegt und damit einige Macht ausübt, springt aufs Designer-Sofa und
schreit hysterisch, wenn ein Mäuslein über den Teppich läuft. Ist
das Verhalten gegenüber den Naturstoffen nicht ähnlich irrational?
Noch immer liegt die
beste Chance für unsere Gesundheit in der Synergie mit der Natur. Der
Triumph synthetischer Mittel in der Krankheitsbekämpfung ist
offensichtlich. Gesundheit aber kann synthetisch nicht hergestellt
werden. Sie kann nur zusammen mit der Natur entstehen.
Die Chance unserer
Zeit mit ihrem Kenntnisstand und Informationspotential liegt im
intelligenten, integrativen, verantwortlichen Gebrauch von
Natursubstanzen. Mit zunehmendem Detailwissen kann deren Anwendung
sicher noch weiter optimiert werden, vor allem die Dosierung der
Vitamine. Die Zufuhrempfehlungen der Fachgesellschaften orientieren
sich an den Durchschnittsgehalten der Zivilisations-Mischkost und an
der Vermeidung altbekannter Vitamin-Mangel-krankheiten. Eine Fülle
sorgfältiger neuer Untersuchungen zeigt jedoch einen möglichen
Nutzen höherer Vitamindosierungen bei der Verhütung von
zivilisatorischen Massenkrankheiten wie Arteriosklerosen,
Tumorbildungen und vorzeitigen Alterserscheinungen. Erstaunlicherweise
ist der Widerstand gegen diese Möglichkeiten heftig. Dazu wurden
einige Studien durchgeführt, die fehlende oder gar nachteilige
Wirkungen isoliert verabreichter Vitamine zum Ergebnis hatten. - Verständlicherweise
fanden diese Studien großes Interesse bei den Medien.
Eigenartigerweise wurde kaum jemals gefragt, warum diese Ergebnisse so
ausfielen - gegen alle Erwartungen aufgrund gutbekannter molekularer
Schutzwirkungen. Um so bemerkenswerter war die unverhohlene
Befriedigung über diese Ergebnisse. Daß diese Ergebnisse mit
unsachgemäßer Anwendung bzw. mit verändertem Vitamin-Molekül (z.
B. wasserlöslich gemachtem "Betacarotin") gefunden wurden -
oder nur das halbe Ergebnis Bewertung fand: Wen kümmert das schon?
Hauptsache, eine negative Meldung über eine altbewährte
lebenswichtige Substanz! So etwas findet die Aufmerksamkeit eines übersättigten
Publikums, das nur noch auf Sensationen reagiert! Schade um das
Vertrauen, das wieder einmal mit zweifelhaften leichtfertigen
Behauptungen verspielt wurde. Was wird wohl aus einer Gesellschaft,
die zu nichts und niemand mehr Vertrauen haben kann? Deren bisher - über
Jahrmillionen - lebenserhaltende Natursubstanzen am Ende des 20.
Jahrhunderts plötzlich zu potentiellen Schadstoffen deklariert
werden? Ironischerweise ist das eine Gesellschaft, die viel mehr neue
synthetische Schadstoffe produziert und über die Erde gebracht hat
als alle Generationen vorher.
Die Vitamine sind
uralte lebensnotwendige (= unverzichtbare) Schutzstoffe für die
Gesundheit. Mit der vom Menschen leichtsinnig verursachten
Umweltbelastung werden Schutzstoffe noch notwendiger als je zuvor. Es
ist wohl töricht, wenn manche Experten und Medien, anstatt selber zur
Verminderung der Schadstoffe beizutragen, die Schutzstoffe
attackieren. Nehmen wir dies als Verwirrung unserer Gesellschaft. Als
Einzelne können wir in unserem unmittelbaren Bereich die
Schadstoffproduktion vermindern - aber die kollektive Unvernunft damit
nur ein wenig an ihrem Rand. Wir sind nun mal Außenseiter. Die
Titanic fährt weiter.
Wir können aber
auch für Rettungsboote sorgen - und für Schutzstoffe. Wenn uns auch
die Experten sagen: die Titanic ist sicher - und die Rettungsboote
sind gefährlich -, bleiben wir bei unserer eigenen Erfahrung und
Tradition. Retten wir zunächst die Rettungsboote - die Schutzstoffe
-, damit sie uns selber retten können. Retten wir so auch das Vitamin
C vor den Konstrukteuren und Betreibern der Titanic.
Selbstverständlich
ist dafür ein intelligenter Umgang mit den natürlichen Schutzstoffen
erforderlich: Wenn der Rettungsgürtel um die Stirn oder um die Füße
gebunden wird, ertrinkt der zu Rettende trotzdem - gerade deswegen.
Der Schwimmgürtel gehört um die Körpermitte, auf Höhe des Herzens.
Dann ragt der Kopf über die Wasseroberfläche, und die Füße bleiben
unten, zur Fortbewegung. Wie die Rettungsgürtel brauchen auch die
Schutzstoffe intelligente Anwendung - statt bloßen Zuschüttens zum
Discountpreis.
Seit etlichen Jahren
verwende ich in der Praxis das Vitamin C in höherdosierten
retardierten Zubereitungsformen (zusammen mit Knoblauch und Zitronen)
als Schutzstoff vor allem bei besonderer Arteriosklerose- und
Infarktgefährdung. Als wichtigster Marker dafür hat sich mir das
Lipoprotein (a) erwiesen, das bei Patienten, deren Eltern, Großeltern
oder Geschwister frühzeitig Infarkte erlitten, meistens erhöht ist
Fast immer konnten mit der kontrollierten Vitamin-C-Zufuhr die
Lipoprotein-(a)-Spiegel innerhalb von 6 bis 9 Monaten gesenkt werden
(nach typischem initialem Anstieg). Weitere Infarkte traten bisher zum
Glück nicht auf. Dafür bin ich dem Vitamin C und vor allem dessen
Schöpfer sehr dankbar. Viel Leid kann so vermieden werden.
Keinesfalls möchte ich aus meinen persönlichen Erfahrungen
irgendeine neue oder gar sensationelle Entdeckung ableiten: Das
Vitamin C ist schon seit Jahrmillionen da. Allerdings stand es erst in
unserer Zeit zur wohlbedachten, sorgfältig dosierten Anwendung auch
preisgünstig zur Verfügung.
Es liegt eine tiefe
Ironie darin: Genau in diesem Moment wird das Vitamin C verdächtigt,
nach jahrmillionenlanger oxidationsschützender, lebenserhaltender
Wirkung nunmehr oxidationsfördernd, damit gesundheitsgefährdend zu
wirken.
Meines
Erachtens befindet sich unsere Gesellschaft auf einem intensiven, aber
törichten Irrweg.
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