Valendo im Test

Das Unternehmen

Was von vielen als veraltet empfunden wird, kommt wieder groß ins Geschäft. Die Rede ist von Pfandleihhäusern. Hier haben wir schon über iPfand berichtet, darüber hinaus gibt es noch Duratio und seit März 2015 auch Valendo. Letzteres ist das neue Projekt von Fintech-Inkubator Finleap. Das Online-Pfandleihhaus Valendo ermöglicht Kunden schnelle Sachwertdarlehen. Das ist in erster Linie für Selbstständige und kleinere Unternehmen, aber auch für Privatleute interessant. Betrieben wird das Start-Up von Andreas von Buttlar und Lars Bresan. Von Buttlar arbeitete zuvor mehrere Jahre als Vermögensverwalter bei Flossbach von Storch, einem unabhängigen Vermögensverwalter. Mitgründer Bresan hingegen kann schon eine  zwölf Jahre lange Tätigkeit im Pfandleihgeschäft vorweisen. Ziel der Beiden ist es, als erste Anlaufstelle für Kunden zu gelten, die durch ein Online-Sachwertdarlehen finanzielle Engpässe unkompliziert ausgleichen möchten. Wir testen, ob das Konzept von Valendo aufgeht und ob es sich rentiert.

Das Angebot

Das Geschäftsfeld von Valendo unterteilt sich in drei Produktkategorien:

  • Sachwertdarlehen
  • Verkaufsdarlehen
  • Depotdarlehen

Geboten werden Darlehen ohne persönliche Verschuldung, denn nur der Wertgegenstand wird als Sicherheit behalten. Das bedeutet, dass Kunden ohne persönliche Einschränkungen finanzielle Engpässe ausgleichen können.

Das Konzept

Geld gegen Pfand – das ist das Konzept von Valendo in drei Worten. Kunden können sich zwischen drei verschiedenen Kategorien, Sachwertdarlehen, Verkaufsdarlehen oder Depotdarlehen, entscheiden und bekommen dafür Geld, um persönliche finanzielle Probleme zu beheben. Ein großer Vorteil von Pfandleihen ist der unkomplizierte Ablauf ohne viel Bürokratie. Denn eine Schufa-Auskunft ist nicht nötig und es müssen auch nicht Unmengen an Papierstapeln ausgefüllt werden verspricht das Unternehmen. Insbesondere für Selbstständige und Kleinunternehmer mit unregelmäßigem Einkommen ist es oft schwierig kurzfristig einen Kredit zu bekommen aufgrund  der strengen Kriterien. Denn Kleinkredite sind bei herkömmlichen Bankinstituten nicht gern gesehen. Aufwändige Prozesse und keine lohnenswerten Erträge. Wer Angst um seine persönlichen Wertgegenstände hat, braucht nichts zu befürchten. Denn diese werden wohl in Schließfächern in  einem unterirdischen Tresorraum verwahrt und das mit hohen Sicherheitsvorkehrungen. Angenommen werden Wertgegenstände wie teurer Schmuck, Kunstgegenstände und Edelmetalle ab einem Sachwert von 3.000 €. Wenn Kunden dort ihre Waren hinterlegen müssen sie Zinsen und Gebühren bezahlen. Falls der aufgenommene Kredit nicht  mehr getragen werden kann, werden die Waren öffentlich versteigert. Ein negativer Eintrag wird so umgangen. Das Konzept geht auf, eine Vielzahl von Kunden haben die Dienste von Valendo schon beansprucht. Nun wollen wir den Ablauf testen.

 

Der Ablauf im Test

Die Website von Valendo wirkt auffallend schlicht und dezent, anders als bei den Konkurrenz Pfandleihhäusern. Keine Informationsflut oder ein Überangebot an Werbebannern, dafür hochklassige Bilder und eine kleine Auswahl an gezielten Infotafeln. Uns gefällt die Aufmachung, es wirkt seriös und man findet sofort, wonach man sucht.

Wir wollen uns ein Darlehensangebot geben lassen. Dafür muss man Kontakt zu Valendo aufnehmen. Hierfür hinterlässt man seine E-Mail-Adresse und Telefonnummer und wird registriert.  Nun ist ein Antragsformular notwendig, damit die Sachberater individuell beraten können. Hierfür werden die gängigen Angaben zu eigenen Person abgefragt und genaue Informationen zum gewünschten Sachwertgegenstand. Fotos sind empfehlenswert, damit der Wert möglichst genau geschätzt werden kann. Nur so bekommt man ein reales Angebot zugeteilt. Wie im Konzept angesprochen kommen weder die persönlichen Einkommensverhältnisse noch die Schufa infrage. Die Experten kümmern sich lediglich um den Wert des Wertgegenstandes. Daraus wird dann die persönliche Bonität berechnet und das daraus folgende mögliche Kreditvolumen. Nun kommen je nach persönlichen Angaben drei Produktkategorien infrage: das Sachwertdarlehen, das Verkaufsdarlehen und das Depotdarlehen. Unter einem Sachwertdarlehen kann man sich die Kreditvergabe, wie bei jedem ortsansässigen Pfandleihhaus vorstellen. Das Verkaufsdarlehen hingegen meint, dass zeitlicher Verkaufsdruck die Preise senkt, falls man durch den Verkauf von Wertgegenständen schnell eine Geldsumme erreichen will. Zu guter Letzt gibt es noch das Depotdarlehen, mit welchen Wertgegenstände wie zum Beispiel Oldtimer an dem Ort, an dem sie bereits eingelagert sind, bleiben können und nur diskret online beliehen werden.

Die gesamte Antragstellung erfolgt anonym und online. Man muss kein Pfandhaus aufsuchen, sondern kann alles von seinen vier Wänden aus erledigen. Das finden wir praktisch. Was uns missfällt ist allerdings im selben Zuge, dass es keine Live-Chat Funktion gibt. Bei dringenden Fragen, kann man nicht per Angesicht zu Angesicht sprechen, sondern muss sein Glück bei der Hotline versuchen, die bei unserem Versuch natürlich belegt ist. Insgesamt verläuft der Anmeldeprozess aber sehr übersichtlich und schnell. 24 Stunden dauert die Bearbeitungsdauer maximal. Steht das Angebot, muss der Kunde nur noch akzeptieren, dann wird alles Weitere in die Wege geleitet. Um den Transport der Gegenstände muss sich der Kunde nicht kümmern, das übernimmt das Online-Pfandhaus. Von der Abholung über die Einlagerung bis zur Rückgabe nach der Auslösung des Pfands, die Sachwerte sind bei Valendo versichert. Unsere Uhr wird wenig später abgeholt und in den Tresorraum gebracht. Das erfolgt über ein Logistikunternehmen, welches eng mit der Firma zusammenarbeitet. Wie wir herausfinden, könnte man sogar Sachwertgegenstände, die bereits bei Banken im Tresor liegen, bei Valendo beleihen lassen. Hierfür müsste man nur die Zugangsrechte übertragen und würde sich den Transport sparen. Sobald der Gegenstand verwahrt wurde, bekommt der Kunde das Geld ausbezahlt in Form einer Überweisung auf das angegebene Bankkonto.

Falls einem als Kunden etwas unklar ist, kann man den  sehr ausführlichen FAQ-Bereich aufsuchen. Außerdem besteht die Möglichkeit ein Telefongespräch zu suchen. Möglich ist das von montags bis freitags zwischen 9 und 19 Uhr. Auch ein Email-Service ist möglich. Etwas Wartezeit sollte man allerdings in Kauf nehmen. Bei unserem Test hatte es etwas gedauert bis eine Rückmeldung kam. Dafür war diese jedoch individuell auf das Problem zugeschnitten und ausführlich beantwortet.

 

Die Kosten

Bei Valendo können Beträge zwischen 1.000 und 100.000 Euro beliehen werden. Je nach Höhe des Darlehens befindet sich der effektive Zinssatz bei ungefähr 2 und 3 Prozent pro Monat. Der feste Zinssatz hingegen beträgt ca. 1 Prozent. Darüber hinaus wird von Valendo noch eine Gebühr erhoben für die Aufbewahrung des Gegenstandes. Diese richtet sich nach der Kredithöhe und kann sich anteilig auf 1 bis 2 Prozent pro Monat belaufen.

Die Zielgruppe

Valendo richtet sich an Kunden, die diskret und unkompliziert wertvolle Sachgegenstände beleihen wollen für kurzfristige finanzielle Engpässe. Auch Kleinunternehmer oder Selbstständige profitieren von dem Konzept des Online-Pfandhauses aufgrund der fehlenden Schufa-Auskunft.

Das Fazit

+ Sicherer Transport der Sachwertgegenstände

+ Unkomplizierte Abwicklung

+ Schnelle Ausbezahlung

  • Fehlender Live-chat
  • Keine App

Valendo überzeugt auf ganzer Linie mit seinem Konzept. Sachwerte lassen sich wirklich schnell und unkompliziert beleihen. Die Ausbezahlung des Geldes erfolgt unmittelbar nach Eintreffen der Gegenstände. Kommt es zur Rückzahlung und Auslösung, erfolgt die Rückgabe des Gegenstandes versichert über den Transportservice. Kunden haben also keinen großen Aufwand und können diskret das Angebot ausführen. Die Wertgegenstände werden mit hohen Sicherheitsvorkehrungen transportiert und verwahrt. Auch sensible Kundendaten werden unter Beschluss gehalten. Den einzigen Nachteil, den wir sehen ist, dass es keinen Live-Chat gibt für dringende Fragen. Wünschenswert wäre auch eine App. Insgesamt kann Valendo als Online-Pfandhaus im Test sehr gut abschneiden.