Die Welt wartet auf einen sicheren Impfstoff gegen Covid-19. Einige Unternehmen haben einen langen Weg zurückgelegt. Es gibt aber auch Komplikationen. Wie ist der aktuelle Stand der Impfstoffentwicklung?

Von Franziska Ehrenfeld, Wissenschaftsredakteurin des SWR

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation gibt es derzeit weltweit rund 180 Corona-Impfstoffprojekte. Bei 35 von ihnen laufen bereits Impfungen, um Toleranz, Dosierung und Wirksamkeit zu bestimmen. Nach Angaben der WHO befinden sich derzeit acht Forschungsteams in der dritten und letzten klinischen Phase, und ein neuntes steht kurz vor dem Beginn.

Biontech an der Spitze

Darunter befindet sich das in Mainz ansässige Unternehmen Biontech, das zusammen mit dem amerikanischen Pharmaunternehmen Pfizer und dem chinesischen Unternehmen Fosun Pharma Tests an Zehntausenden von Probanden durchführt. Der Agent kann jetzt auch in Deutschland getestet werden. Die Unternehmen haben kürzlich ihre Studie von 30.000 auf 44.000 Teilnehmer erweitert. Diese Nummer sollte nächste Woche erreicht werden. Wenn die Ergebnisse positiv sind, möchten Biontech und Pfizer im Oktober die Zulassung ihres Impfstoffs beantragen.

AstraZeneca wieder auf Kurs

Auch das anglo-schwedische Pharmaunternehmen AstraZeneca ist auf dem richtigen Weg. Er erforscht einen Impfstoff an der Universität von Oxford. Die Tests wurden Anfang September ausgesetzt, nachdem ein Proband Symptome einer Entzündung des Rückenmarks aufwies. Der Verdacht, dass dies schwerwiegende Nebenwirkungen des Impfstoffkandidaten waren, wurde inzwischen ausgeräumt. Es war ein nicht diagnostizierter Fall von Multipler Sklerose.

Studienunterbrechungen treten häufiger bei der Impfstoffentwicklung auf und sollten nicht unbedingt als Fehlschlag angesehen werden. Tatsächlich wurde die Studie zum zweiten Mal abgebrochen. Der Impfstoffkandidat von AstraZeneca bleibt sehr vielversprechend.

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Russischer Impfstoff steht unter Beschuss

Der russische Impfstoff, der bereits von den lokalen Behörden zugelassen wurde, wird derzeit auch in der dritten klinischen Phase getestet. Die Entwickler des Gamaleya-Instituts wurden dafür kritisiert, dass sie zunächst keine Daten aus klinischen Studien veröffentlicht und die dritte Phase vor der Genehmigung übersprungen haben.

Es bestehen nun Zweifel an der Glaubwürdigkeit der zwischenzeitlich in den ersten Phasen veröffentlichten Daten. 38 internationale Forscher schrieben einen offenen Brief, in dem sie ihre Bedenken äußerten. Sie fanden heraus, dass sich einige Muster in den Daten merklich wiederholten. Solche Ergebnisse sind “höchst unwahrscheinlich”. Wissenschaftler möchten daher einen Überblick über die Originaldaten der Studie haben.

Chinesen schicken vier Kandidaten zum Rennen

Die Chinesen kämpfen in der letzten klinischen Phase mit vier Impfstoffkandidaten. Das Unternehmen Cansino arbeitet mit dem Beijing Biotechnology Institute an einem Produkt, das derzeit auch in großem Umfang getestet wird – auch in Saudi-Arabien und Russland. Es wurde im Juni für den Einsatz beim chinesischen Militär zugelassen.

Der Kandidat von Sinovac wird seit Mitte Juli in Brasilien und Indonesien getestet. Das Unternehmen hofft, bis Ende des Jahres die Genehmigung zu erhalten.

Sinopharm arbeitet an zwei Impfstoffkandidaten. Einmal mit dem Wuhan Institute of Biologics und auch mit dem Beijing Institute of Biologics. Sinopharm erwartet auch die Zulassung des Impfstoffs bis Ende des Jahres.

Die letzten drei Impfstoffkandidaten werden bereits im Rahmen des chinesischen Notfallprogramms eingesetzt. Dies bedeutet: Ausgewählte Gruppen – wie beispielsweise medizinisches Personal – können bereits vor der offiziellen Genehmigung geimpft werden.

Die Vereinigten Arabischen Emirate haben am Montag auch einen chinesischen Impfstoffkandidaten für solche Fälle zugelassen. Sinopharm ist der erste Hersteller, der einen Impfstoffkandidaten in Übersee anbietet – obwohl die klinischen Studien noch nicht abgeschlossen sind.

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Mehrere amerikanische Kandidaten am Start

Das amerikanische Unternehmen Moderna hat in Zusammenarbeit mit dem National Institute for Allergies and Infectious Diseases (NIAID) einen Kandidaten entwickelt. Es wurde seit Ende Juli an rund 30.000 Menschen getestet.

Janssen-Pharmaunternehmen, die Teil der Johnson & Johnson-Gruppe sind, stehen kurz vor dem Eintritt in die dritte klinische Phase. Sie planen eine Studie mit bis zu 60.000 Teilnehmern. Laut der Nachrichtenagentur Reuters soll es Anfang Oktober beginnen. Wenn sich das Medikament als wirksam erweist, plant das Unternehmen, bis 2021 eine Milliarde Dosen des Impfstoffs zu produzieren.

Was ist sonst noch in Deutschland los?

In Deutschland sind mehrere Unternehmen an der Entwicklung von Impfstoffen beteiligt. Neben Biontech finanziert die Bundesregierung zwei weitere Unternehmen: Curevac aus Tübingen befindet sich noch in der frühen klinischen Phase der Impfstoffentwicklung und testet eine relativ kleine Anzahl von Testpersonen. Eine Verlängerung der Phase 1 – bekannt als Phase 2a – wird in Kürze in Südamerika beginnen, in der insbesondere ältere Menschen geimpft werden. Das Unternehmen plant, Daten zur ersten Phase im Oktober vorzulegen. Wenn diese positiv sind, möchte Curevac in diesem Jahr auch eine kombinierte Phase 2b / 3 starten.

Das dritte von der Bundesregierung finanziell unterstützte deutsche Unternehmen ist IDT Biologika aus Dessau-Rosslau. Es befindet sich mit seinem Impfstoffkandidaten noch in der präklinischen Phase, wurde also noch nicht an Menschen getestet.