Korona-Pandemie
Warum leiden Männer an Coronavirus? Forscher finden einen Hinweis

Corona-Patient auf der Intensivstation

© André Lucas / DPA

Schon zu Beginn der Koronapandemie wurde deutlich, dass Männer im Durchschnitt kranker zu sein scheinen als Frauen. Die Forscher könnten nun der Lösung des Rätsels etwas näher kommen. Das Immunsystem von Männern und Frauen scheint unterschiedlich auf das Virus zu reagieren.

Ärzte auf der ganzen Welt erforschen seit Monaten das Koronavirus. Es bleiben jedoch noch viele Fragen offen. Experten wissen immer noch nicht, warum Männer anscheinend an Covid-19 leiden als Frauen – und sterben auch häufiger nach einer Virusinfektion. Kurz nach Beginn der Pandemie gab es erste Anzeichen dafür basierend auf Daten von chinesischen Patienten. Der Trend setzte sich auch in anderen Ländern, einschließlich Deutschland, fort. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat bisher 9.280 Todesfälle im Zusammenhang mit der Covid-19-Krankheit aufgelistet – 55% sind Männer, 45% sind Frauen. Und obwohl die beiden Geschlechter unterschiedlich sind ungefähr gleich oft mit dem Virus infizieren.

Amerikanische Forscher haben nun untersucht, wie das Immunsystem von Männern und Frauen auf eine Infektion mit dem Virus reagiert. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift “Nature” veröffentlicht und liefern Hinweise darauf, dass unterschiedliche Immunantworten bei Männern und Frauen eine Rolle bei den beobachteten Unterschieden spielen können.

Das vom Immunologen Akiko Iwasaki geleitete Team untersuchte insgesamt 17 Männer und 22 Frauen, die kurz nach ihrer Diagnose in einem Krankenhaus behandelt wurden. Unter anderem wurden ihnen Blutproben und Rachenabstriche entnommen und analysiert. Daten von 59 anderen Männern und Frauen wurden ebenfalls in die Analyse einbezogen.

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Die Immunantwort der Männer ist schwächer

Studien haben gezeigt, dass Frauen viel mehr sogenannte spezialisierte T-Zellen produzieren. T-Zellen sind neben Antikörpern eine wichtige Säule des menschlichen Immunsystems. Sie können körperfremde Strukturen erkennen und bekämpfen. Zum Beispiel gibt es T-Zellen, die körpereigene Zellen abtöten, die mit Viren infiziert wurden. Andere aktivieren sogenannte B-Zellen, die dann Antikörper produzieren.

Für Männer hingegen war die Mobilisierung dieser Verteidigungskräfte grundsätzlich schwächer. Schwache T-Zellen waren auch mit schwerwiegenderen Krankheitsprozessen verbunden. Die Aktivierung von Immunzellen nimmt auch mit dem Alter ab. Laut Immunologe Iwasaki hatten Frauen sogar bis zum Alter von 90 Jahren eine “ziemlich gute und anständige Immunantwort”.

Diese Ergebnisse sind keineswegs überraschend. Wir wissen bereits, dass das Immunsystem von Frauen Viren grundsätzlich besser abwehren kann als das von Männern. Der Grund ist nicht klar, könnte aber als Schutz für ungeborene Kinder dienen. Andererseits leiden Frauen viel häufiger an Autoimmunerkrankungen, dh Krankheiten, bei denen eine Überreaktion des Immunsystems Beschwerden auslöst, indem das Immunsystem gegen die körpereigenen Strukturen gerichtet wird.

Die Forscher fanden auch hohe Zytokinspiegel im Blut aller Patienten. Dies sind Botenstoffe, die während einer Immunantwort gebildet werden und als wichtige Entzündungsmarker gelten. Bestimmte Zytokine – einschließlich Interleukin 8 und Interleukin 18 – waren bei allen untersuchten Männern erhöht, jedoch nur bei wenigen Frauen. Wenn Frauen dagegen hohe Werte hatten, wurden sie auch kranker. Es ist bereits bekannt, dass in Einzelfällen während der Covid 19-Krankheit, einer möglicherweise tödlichen Entgleisung des Immunsystems, ein sogenannter Zytokinsturm auftreten kann.

Obwohl die Studie recht klein ist und letztendlich nicht nachweisen kann, dass die beobachteten Unterschiede ausschließlich auf das Geschlecht zurückzuführen sind, hoffen die Forscher, neue Impulse für die Therapie und Prävention von Covid-19 zu erhalten. Die beobachteten Unterschiede könnten möglicherweise eine Rolle bei der Impfimmunisierung spielen, aber auch bei der Gender-Therapie von Koronapatienten, schreiben sie in einem Beitrag. Es sind jedoch weitere Forschungsarbeiten erforderlich.

Zum Aufblasen: Natur /. Robert Koch Institut (RKI) /. New York Times /. Yale School of Medicine

ikr