E.Unterhaching ist nicht in der bayerischen Romantik. Die riesige Wohnsiedlung südlich von München hat vor Jahrzehnten ihren Charme zum Leben erweckt. Develey-Chef Michael Durach, der im CSU-Gemeinderat sitzt, spricht immer noch über sein „Dorf“.

Der Hauptsitz von Develey, Deutschlands größtem Senfhersteller, zu dem Marken wie Löwensenf und Bautzener gehören, ist ein einfaches Gebäude mit ausreichend Parkmöglichkeiten unweit der Autobahn. Die Grünfläche rechts enthält Obstbäume und Bienenvölker. In bescheidenen Häusern fällt das vom Bundesumweltministerium und einer Stiftung verliehene Zertifikat „Deutscher Nachhaltigkeitspreis 2020“ auf.

Nach eigenen Angaben arbeiten deutsche Develey-Fabriken seit diesem Jahr klimaneutral, sodass sie keine Treibhausgase ausstoßen. Das Unternehmen hat sich 2008 auf den Weg zu einer ressourcenschonenden Wirtschaft gemacht – lange bevor das Energiekonzept der Bundesregierung oder das Klimaschutzprogramm 2019 2010 vorgestellt wurden.

Der Unternehmer teilt die Überzeugungen der bäuerlichen Vorfahren

Develey ist mit dieser Anstrengung nicht allein. Immer mehr Unternehmen, insbesondere mittelständische Unternehmen, haben die Zeichen der Zeit erkannt und setzen sich Klimaziele, sagt der Klimaforscher Manfred Fischedick, Leiter des Wuppertaler Privatinstituts für Klima, l Umwelt und Energie. “Develey untersucht die Emissionen in der gesamten Wertschöpfungskette.” Darüber hinaus wird Nachhaltigkeit nicht nur von oben vorgeschrieben, sondern auch in der Belegschaft verankert, sagt Fischedick. “Es ist vorbildlich.”

Michael Durach, ein nervöser und ehrgeiziger Manager, freut sich über dieses Lob. Der 52-Jährige leitet das Geschäft mit seinem Bruder Stefan, der die Produktion leitet. Michael Durach ist verantwortlich für das Marketing und steht der Außenwelt gegenüber.

Sein Motto: Was den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens ausmachte (560 Millionen Euro Jahresumsatz, 2.500 Mitarbeiter), sollte auch der Schlüssel zum Klima- und Umweltschutz sein – Strategie, Präzision Konsistenz.

Mit 2.500 Mitarbeitern erzielt Develey – hier Hauptsitz in Unterhaching – einen Jahresumsatz von 560 Millionen Euro

Die: via develey

Die Familie Durach stammt eigentlich aus der Sauerkraut- und Gurkenindustrie. Seit den Tagen des Großvaters werden eingelegte Konserven hergestellt. Erst 1971, als es den ehemaligen Münchner Gerichtslieferanten Develey kaufte, stieg es in das Senfgeschäft ein.

Als Unternehmer in der Lebensmittelindustrie verteidigt Durach die Überzeugungen der bäuerlichen Vorfahren, “konventionell, aber nachhaltig” und “alles in allem”. Er sagte, er habe sich nachhaltigen Geschäftspraktiken mit „gesundem Menschenverstand“ zugewandt. “Ich wollte nur zeigen, dass es möglich ist.”

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„Der Erfolg einer Nachhaltigkeitsstrategie hängt stark von der Führung ab“, sagt Axel Kölle, Direktor des Zentrums für Nachhaltiges Management (ZNU) an der Universität Witten / Herdecke, wo Durach Mitglied des Beirats ist. Das ZNU hat einen Nachhaltigkeitsstandard mit 43 Anforderungen für die Entwicklung und Umsetzung einer Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt.

Externe Testunternehmen wie TÜV oder Dekra zertifizieren Unternehmen vor allem in der Lebensmittelindustrie nach diesem Standard, überwachen die Implementierung jährlich und überprüfen sie alle drei Jahre gründlich. Also mit Develey.

Kölle ist überzeugt, dass sich eine Investition in eine solche Strategie für Unternehmen auszahlt – aufgrund der Einsparungseffekte, aber auch im Sinne eines „proaktiven Risikomanagements“. Denn Umweltrisiken können kostspielig sein – auch für den guten Ruf des Unternehmens. Kölle bescheinigt Durach sogar eine “intrinsische Motivation”.

Solarzellen für Mitarbeiterdächer

Der Unternehmer hat dies 2008 entwickelt – wegen seiner Kinder, sagt er heute. Als Grundschüler bildeten sie sich zu Klimabotschaftern aus und begannen, Bäume zu pflanzen. Ein Student aus Tutzing hat kürzlich die Initiative „Plant for the Planet“ gegründet.

“Es hat damals für mich geklickt”, sagt Durach. Er formulierte das Ziel, das 1999 von seinem Vater gekaufte Unternehmen klimaneutral zu machen. Darüber hinaus müssen die Prozesse frei von Deponiemüll und die Produkte frei von Palmöl sein. Der Ersatz für Palmöl besteht seit 2016: Alle Rezepte wurden neu geschrieben, alle Zutaten wurden sorgfältig geprüft, erklärt Durach.

Bei der Energieerzeugung setzte das Unternehmen zunächst auf Geothermie, dann auch auf Photovoltaik. In Kürze werden sogar die Dächer von Mitarbeiterheimen auf Kosten des Unternehmens mit Solarzellen ausgestattet, damit überschüssiger Strom in die jeweilige Anlage fließen kann.

Zusammen mit seinem Mitbruder Stefan Durach (50) schlug er dem Unternehmen ein neues Konzept für Heizung und Klimaanlage vor. Aber rund 15.000 Tonnen CO2 Durch den Stromverbrauch, der 50% des Gesamtverbrauchs ausmacht, kann Develey jedoch kein Jahr sparen. Das Unternehmen gleicht dies aus, indem es in Mexiko Bäume pflanzt – in genau nachvollziehbaren Gebieten, sagt Durach.

Verschiedene Bautz'ner Senfprodukte, aufgenommen am 21. November 2013 in Dresden (Sachsen). Das traditionelle Unternehmen Bautzen gehört der bayerischen Firma Develey Senf & Feinkost GmbH. Foto: Sebastian Kahnert | Weltweite Nutzung

Welche Farbe, welche Verpackung? Die Verbraucherpräferenzen für Senf variieren je nach Region erheblich

Quelle: Bildallianz / ZB

Das für das Unternehmen am schwierigsten zu lösende Problem scheint das Verpackungsproblem zu sein. Verbraucher haben in verschiedenen Regionen unterschiedliche Vorlieben: In Ostdeutschland wollen sie graueren Senf, der in “Plastik” verpackt ist, im Westen ist senffarbener Senf in Gläsern stärker gefragt.

Für Ketchup- und Barbecue-Saucen hingegen sind Quetschflaschen beliebt. Sie bestehen jedoch immer noch aus dem Kunststoff Polyethylenterephthalat, kurz PET. Immerhin sind 30% der Nachfrage bereits nach recycelten Materialien, sagt Durach.

Nicht jeder im Unternehmen hat seine Strategie auf die gleiche Weise verfolgt. „Am Anfang sagten die Mitarbeiter: Oh mein Gott, jetzt ist er verrückt“, sagt Durach. “Aber sie haben gesehen, dass das Management es ernst meint.” In jedem Unternehmen hat er einen Manager für nachhaltige Entwicklung ernannt, der direkt an ihn berichtet. „Allen war klar, dass dies keine Marketingabteilung ist. Daran glauben Unternehmer “, sagt er.

Lob an die Fast-Food-Kette von McDonald’s

Durach behauptet, seit 2008 mehr als zehn Millionen Euro in eine nachhaltige Entwicklung investiert zu haben. „Es ist nicht kostenlos. Als Unternehmer muss man aktiv auf Gewinn verzichten “, sagt er. Manager, die in großen Unternehmen beschäftigt waren, konnten dies nicht so einfach tun.

Für Familienunternehmen ist dies hingegen kein Problem. Es gibt auch die zwölfjährige “Nichts” -Periode. Der Wille ist, das Unternehmen “vererbbar” zu machen.

Develeys Chef fühlt sich manchmal allein. “Der Verbraucher zahlt nicht dafür, das Unternehmen zahlt nicht dafür”, sagte Durach trocken. Er beurteilt die Fast-Food-Kette von McDonald’s als etwas weicher, die seit fast 50 Jahren auch ihr größter Kunde ist: „Er ist einer der wenigen Kunden, die auch Geld für Nachhaltigkeit ausgeben.

Die großen Einzelhandelsgruppen haben das Problem erkannt, aber der Druck, es umzusetzen, kann nur vom Verbraucher ausgehen. Bis dahin spricht Durach von “Systemausfall”.

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Die Familie Durach übernahm 1971 den ehemaligen Münchner Zulieferer Develey

Die: via develey

Mit der Säule aus Dosengurken (Marke ‘Specht’) ist Develey selbst Teil eines instabilen Systems, wie ein Corona-Hotspot in diesem Sommer zeigt. Im großen bayerischen Gurkenproduktionsgebiet leben und arbeiten Landarbeiter aus Osteuropa manchmal zu nahe beieinander.

“Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, wir hatten keinen einzigen Corona-Fall”, verteidigt Durach gegenüber seinen Vertragsbauern. Die Anbaufläche wurde vergrößert, die Wohnungen sind weniger besetzt und die Landwirte werden besser bezahlt.

Der Unternehmer stellt das System der ausländischen Niedriglohnarbeiter im Gurkenflugzeug, einer Erntemaschine, an der die Arbeiter im Liegen arbeiten, jedoch nicht grundsätzlich in Frage. Sein Argument: Gurken kommen aus einem Umkreis von 30 Kilometern und sind sechs Stunden nach der Ernte im Topf. Es ist besser als sie aus Indien zu importieren.

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Mit der Strategie der regionalen Herkunft handelt Develey gemäß den Nachhaltigkeitsanforderungen des ZNU. Dies gilt insbesondere für Senf, bei dem Develey die Düsseldorfer Marken Düsseldorf Löwensenf, Bautzener und Reine de Dijon unter einem Dach vereint.

Wenn Sie früher Senfkörner aus Kanada bezogen haben, kaufen Sie jetzt in Ostdeutschland und Osteuropa. Diese Nähe zu Lieferanten ist nicht nur CO in der Logistik2 gespart, aber auch mehr Kontrolle über die Wertschöpfungskette gebracht.

„Es ist ein Entwicklungsprozess, der nicht aufhört“, beschreibt ZNU-Chef Kölle den Weg zur Nachhaltigkeit. Bei Develey sollte in den nächsten zwei Jahren auch für ausländische Standorte Klimaneutralität erreicht werden.

„Banken und Investoren werden sich in Zukunft mit diesen Dingen befassen“, sagt der Klimaforscher Wuppertal Fischedick. “Die Anfälligkeit für Umweltrisiken könnte sich bald in einer Zinsprämie für Kredite niederschlagen”, prognostiziert er.

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Bei Develey bereiten sich nun zwei der vier Kinderunternehmer auf den Nachfolger vor. Die Söhne von Michael und Stefan Durach studieren derzeit Betriebswirtschaft. Mit ausreichend Eigenkapital sollte das Unternehmen auch nach der Krise ein schönes Erbe sein.

Im Jahr 2020 wird Develey jedoch einen Umsatzrückgang verzeichnen, da 50% des Umsatzes auf das seit vielen Wochen vollständig stillgelegte Restaurantgeschäft entfallen. Trotzdem habe er die letzten Monate ohne Entlassungen durchgemacht, sagt Durach.

Trotz der Sparmaßnahmen hatte er die Strategie für nachhaltige Entwicklung “nie verlangsamt”. Durach will vorne bleiben: “Als Unternehmer will man auf dem Fahrersitz sitzen.”

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