Die Zahl der in Deutschland gemeldeten Neuinfektionen ist mit 16.774 höher als je zuvor. In einer Regierungserklärung äußerte sich Bundeskanzlerin Merkel zu den neuen Gegenmaßnahmen. Ein führender Virologe hat die Erwartungen an einen Impfstoff gesenkt.

Die Zahl der in Deutschland verzeichneten Koronainfektionen erreichte an einem Tag mit 16.774 Fällen einen neuen Höchststand. Dies geht aus Informationen des Robert-Koch-Instituts vom Donnerstagmorgen hervor.

Das vorherige Hoch vom Vortag lag bei 14.964 Fällen. Bis Donnerstag meldeten die Gesundheitsbehörden 11.287 Neuinfektionen. Der Wert hatte zum ersten Mal seit Beginn der Koronapandemie in Deutschland die Marke von 10.000 überschritten. Die Zahl der virusbedingten Todesfälle stieg innerhalb von 24 Stunden um 89 auf insgesamt 10.272 – ebenfalls ein deutlicher Anstieg.

Die aktuellen Werte sind nur teilweise mit denen im Frühjahr vergleichbar, da jetzt viel mehr Tests durchgeführt werden und dadurch mehr Infektionen entdeckt werden. Die hohe Anzahl von Infektionen kann jedoch nicht allein durch weitere Tests erklärt werden.


Regierungserklärung zu Koronaregeln

Um die rasche Ausbreitung des Virus einzudämmen, haben Bund und Länder am Mittwoch weitreichende Maßnahmen ergriffen: Im November wird das öffentliche Leben in der Bundesrepublik stark eingeschränkt. Kontaktbeschränkungen und Restaurantschließungen zielen darauf ab, die Anzahl der Infektionen wieder beherrschbar zu machen. Am Morgen gab Bundeskanzlerin Angela Merkel gegenüber dem Bundestag eine Regierungserklärung zu den strengeren Regeln der Krone ab.

Nach Angaben des RKI sind seit Beginn der Pandemie (Stand 29. Oktober um 12 Uhr) insgesamt 481.013 Menschen in ganz Deutschland mit Sars-CoV-2 infiziert. Der RKI schätzt, dass sich inzwischen rund 339.200 Menschen erholt haben.

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Laut dem RKI-Lagebericht vom Mittwoch betrug die Anzahl der Reproduktionen, kurz R-Wert, in Deutschland 1,03 (Vortag: 1,17). Dies bedeutet, dass eine infizierte Person etwas mehr infiziert als eine andere Person. Der R-Wert gibt die Infektionsrate etwa anderthalb Wochen im Voraus an. Darüber hinaus gibt der RKI in seinem Managementbericht nach sieben Tagen ein sogenanntes R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger täglichen Schwankungen. Nach Schätzungen von RKI lag dieser Wert am Dienstag bei 1,17. Es zeigt den Infektionsprozess vor 8 bis 16 Tagen.

Virologe: Eine vollständige Impfung wird erforderlich sein

Experten zufolge ist es auch unwahrscheinlich, dass die Entwicklung eines Impfstoffs die Situation sofort lindert. Der Vorsitzende des Ständigen Impfausschusses des Robert Koch-Instituts, der Virologe Thomas Mertens, hat die entsprechenden Erwartungen abgeschwächt: Er geht davon aus, dass die Impfung der gesamten Bevölkerung gegen das Coronavirus bis zum Ende nicht abgeschlossen sein wird 2021, auch wenn sich ein Impfstoff schnell entwickelt. “Es wird lange dauern, bis sich der Infektionsprozess durch die Impfung spürbar ändert. Wir können also sagen, dass der Frieden jetzt zurückkehren kann”, sagte Mertens gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Anfang Oktober gab Bundesforschungsministerin Anja Karliczek bekannt, dass sie Mitte nächsten Jahres einen Impfstoff gegen das Coronavirus erwarten werde. Die Forschung, an der auch mehrere deutsche Unternehmen beteiligt sind, ist derzeit “gigantisch schnell”.

Wenn Sie 100.000 Menschen pro Tag impfen, würde es laut dem Virologen Mertens 150 Tage dauern, bis 15 Millionen Menschen geimpft sind. Für Merten wäre diese Geschwindigkeit bereits eine Herausforderung. “Der Beginn der Impfungen sollte nicht zu schnell erfolgen.” Vor allem der Transport und die Lagerung, die Einrichtung regionaler Impfzentren und die gleichzeitige nationale Dokumentation von Impfungen sowie die Bewertung der Sicherheitsaspekte und des Erfolgs der medizinischen Impfung müssen gut vorbereitet sein.

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Mertens erwartet auch Konflikte um eine gerechte Verteilung aufgrund eines anfangs knappen Impfstoffs. “Es kann auch sein, dass Menschen, die nicht die Möglichkeit haben, sich sofort zu beschweren.” Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums müssen Personen mit hohem Gesundheitsrisiko zunächst geimpft werden. Mertens hat angekündigt, dass der ethische Rahmen für die Verteilung von Impfstoffen Anfang nächster Woche veröffentlicht wird. Die Beratungen des Ständigen Impfausschusses, des Deutschen Ethikrates und der Leopoldina sollen Ende dieser Woche abgeschlossen sein.