Berlin, Frankfurt, Köln – jetzt Stuttgart. Die Landeshauptstadt hat auch den kritischen Korona-Warnwert überschritten. Die Behörden sehen sich bei der Weiterverfolgung von Kontakten an ihren Grenzen, die Bundeswehr sollte nun helfen.

Die Zahl der Neuinfektionen mit Korona im ganzen Land stieg Mitte der Woche sprunghaft an – insbesondere Großstädte geben Anlass zur Sorge. Nach Berlin und Frankfurt am Main musste Stuttgart auch melden, dass der kritische Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen am Samstagabend überschritten worden war. Die baden-württembergische Hauptstadt will nun schnell Gegenmaßnahmen ergreifen.

“Die Zahlen steigen besorgniserregend, so dass das Gesundheitswesen die Nachsorge von Kontaktpersonen nicht mehr garantieren kann, was für die Bekämpfung der Pandemie so wichtig ist”, erklärte Stefan Ehehalt, Leiter des Stuttgarter Gesundheitsdienstes. Daher sollte nun die gesamte Stadtverwaltung für die Nachverfolgung mobilisiert und die Unterstützung der Bundeswehr angefordert werden. Der Stuttgarter Bürgermeister Fritz Kuhn sagte nach einer Telefonkonferenz auf dem Briefing, dass entschlossene Maßnahmen ergriffen werden müssten, um die Zahlen wieder zu senken. “Nur so können Schulen, Kindertagesstätten, Unternehmen und Einzelhändler geöffnet bleiben. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle Fälle bis zum Gesundheitsamt zurückverfolgt werden können.”

Essen bricht auch den Warnwert

Bundesweit kratzen immer mehr Städte an der kritischen Zahl von 50 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner. Sie fuhren durch Berlin, Frankfurt am Main, Bremen und Köln. Das Landeszentrum für Gesundheit Nordrhein-Westfalen gab heute bekannt, dass Essen mit einer 7-Tage-Inzidenz von 57,3 deutlich über dem Warnwert liegt.

Bundesweit stieg die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen am Sonntag um 3.483, wie das Robert Koch-Institut bekannt gab. Von Mittwoch bis Donnerstag war der Wert von 2.828 auf 4.058 gestiegen, von Donnerstag bis Freitag waren es 4.516. Am Samstagmorgen gab es 4.721 neue Fälle. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Anzahl der registrierten Fälle am Sonntag und Montag im Allgemeinen geringer ist, auch weil die Gesundheitsbehörden am Wochenende nicht alle Daten an das RKI melden.

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Die Anzahl der Reproduktionen, kurz R-Wert, betrug nach RKI-Schätzungen am Samstag 1,42 (Vortag: 1,34). Dies bedeutet, dass eine infizierte Person durchschnittlich etwa 1,4 andere Personen infiziert. Der R-Wert gibt die Infektionsrate etwa anderthalb Wochen im Voraus an.

Ministerpräsidenten benachrichtigen

Angesichts des deutlichen Anstiegs der Zahl forderten mehrere Ministerpräsidenten die Bürger zur Disziplinierung auf. “Es wird gefährlich”, sagte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder von der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”. In der Zeitung “Bild am Sonntag” plädierte er für eine einheitliche Geldstrafe von 250 Euro für alle, die sich weigern, eine Maske zu tragen. Es ist Zeit, kohärent zu handeln, sagte Söder. “Wenn wir zu lange zögern, besteht die Gefahr einer zweiten Aussperrung.” Söder forderte eine Ausgangssperre und ein Verbot wichtiger Feiertage und Feiern für eine Weile.

Sein baden-württembergischer Kollege Winfried Kretschmann forderte die Menschen auf, nicht alles zu tun, “was sie noch dürfen”. Der grüne Politiker fügte hinzu: “Sie müssen zu Hause oder in einem Restaurant keine Party veranstalten.”

Der sächsische Regierungschef Michael Kretschmer appellierte auch an die jüngere Generation in der “Welt am Sonntag”: “Jetzt brauchen wir keine vollen Parteien, sondern Vorsichtsmaßnahmen – und Kontrollen. “” Der CDU-Politiker verteidigte strengere Regeln. “Wir brauchen jetzt bestimmte Instrumente, um die Situation unter Kontrolle zu bringen. Wir wollen unser soziales und wirtschaftliches Leben weitgehend erhalten.”

Merkel und der Bürgermeister diskutierten über Ballungsräume

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Freitag mit den Bürgermeistern der elf größten Städte Deutschlands über die Situation gesprochen. Die Entwicklung in den Ballungsräumen zeigt, “ob wir die Pandemie in Deutschland unter Kontrolle halten können oder ob die Kontrolle nicht in unseren Händen liegt”, betonte Merkel. Der vereinbarte Maßnahmenkatalog sieht unter anderem die Entsendung von Sachverständigen des RKI und der Bundeswehr vor, wenn die Schwelle von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen überschritten wird. Ab 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner sollten weitere Einschränkungen bestehen.

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Die Tagesschau berichtete am 11. Oktober 2020 um 10:05 Uhr über dieses Thema.