Ich besitze eine Uhr des Smartwatch-Herstellers Fitbit. Wenn ich es trage, zeichnet es die Funktionen meines Körpers während des Tages auf: Puls, Schlaf, Gewicht, Kalorienverbrauch, Aktivität, möglicherweise mein Standort.

Fitbit bereitet diese Daten für mich in Form von Diagrammen vor: für den Schlaf, während des Trainings, im Alltag. Ich kann auch sehen, wie viel meine Pulsfrequenz nachts höher ist, nachdem ich am Abend zuvor zwei Biere getrunken habe. Ich kann verstehen, wie viele tausend Schläge mein Herz nach einer geselligen Nacht noch schlagen wird (was etwas schockierend ist).

Wie ich tun es Millionen anderer Benutzer. Ich gebe dem Anbieter meine intimsten Gesundheitsdaten. Im Gegenzug bekomme ich tolles Feedback.

Lohnt es sich? Jeder muss das selbst beurteilen. Ich tue es. Freiwillig.

Jetzt geht Fitbit (28 Millionen Benutzer weltweit, Marktanteil: 2,4%) noch weiter: Als der Hersteller seine neuen Modelle vorstellte, wurden eine Reihe neuer Funktionen hinzugefügt. In Zukunft wird es möglich sein, Stressniveaus zu messen oder ein Elektrokardiogramm zu erstellen.

Und: es gibt Fitbit Premium. Dieser kostenpflichtige Service ist erforderlich, um vollständige Bewertungen Ihrer eigenen Gesundheitsdaten anzuzeigen. Wenn Sie eine Uhr kaufen und alle Bewertungen haben möchten, müssen Sie monatlich bezahlen.

Übersetzt bedeutet: Ich werde dem Unternehmen weiterhin meine intimsten Daten geben. Wenn ich es nutzen möchte, muss ich in Zukunft zahlen: 7,99 Euro pro Monat oder 79,99 Euro pro Jahr.

Eine geheime und stille Gesellschaft

Wenn dieses Geschäftsmodell funktioniert, ist es eine beeindruckende Entwicklung: Es reicht nicht mehr aus, Ihre eigenen Daten kostenlos zu veröffentlichen (was unter anderem das Unternehmen so wertvoll macht). Ich soll es in Zukunft bezahlen.

Facebook und Google haben zwei der mächtigsten Unternehmen aufgebaut, indem sie Benutzerdaten gesammelt haben – manche sagen Plünderungen – und darauf basierende personalisierte Werbung verkauft haben.

Zumindest habe ich ein komisches Gefühl, wenn ich meine privaten Daten – natürlich bereitwillig – weitergeben und dafür bezahlen soll. Es ist eine geheime und stille Angelegenheit: Wenn meine Uhr gestohlen wird, merke ich, dass niemand merkt, wohin ihre eigenen Daten gehen. Die meisten von ihnen verstehen es auch nicht.

Fitbit nutzt dies jetzt aus und hält jetzt zweimal Ihre Hand. Plus: Die Daten von Fitbit wären bisher kaum für eine medizinische Bewertung geeignet gewesen. Der neue Service basiert jetzt auf solchen Bewertungen.

Im Gegensatz zu Facebook verdient Fitbit (bisher) nicht mit personalisierter Werbung, sondern mit dem Verkauf von Uhren und Fitness-Trackern. Aus unternehmerischer Sicht ist ein Abonnementmodell verständlich, da es eine neue Einkommensspalte eröffnet und die Nutzer langfristig bindet.

Aber: Fitbit wird in Zukunft im Besitz von Google sein, das 2,1 Milliarden US-Dollar dafür auf den Tisch legt. Fitbit und Google sagen seit Monaten, dass Fitbit-Daten nicht für personalisierte Google-Werbung verwendet werden sollten.

Ist es langfristig glaubwürdig? Beim Kauf von WhatsApp im Jahr 2014 behauptete Facebook auch, dass die Daten nicht zusammengeführt werden wollten. Das Gegenteil ist passiert.

Übrigens prüft die Europäische Kommission derzeit die geplante Übernahme von Fitbit durch Google. Die Angst: Googles bereits riesiger Datenberg wird zusammen mit den Gesundheitsdaten von Fitbit weiter wachsen und die echte Konkurrenz zerstören. Eine Entscheidung wird bis zum 9. Dezember getroffen.

Geben Sie Google die intimsten Daten und zahlen Sie dafür? Ich bin gespannt, ob dieses Modell erfolgreich sein wird. Auf jeden Fall ist es nicht im Interesse der Menschen.

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