Das in Walldorf ansässige Softwareunternehmen SAP will sich mehr auf langfristigen Erfolg konzentrieren – und legt daher kurzfristige Gewinnmargen beiseite. Die Börse reagiert genervt.

Preisverfall in Deutschlands wertvollster Dax-Gruppe: In wenigen Augenblicken fiel der Anteil um SAFT um fast 20% Montagmorgen. Grund ist eine Ankündigung von SAP-Chef Christian Klein, der vor der Vorstellung der neuen Quartalszahlen sagte, das Unternehmen werde sich weniger auf kurzfristige Margen als vielmehr auf langfristigen Erfolg konzentrieren.

Klein verteidigte diese Strategieänderung hin zu mehr Wachstumsinvestitionen als notwendigen Schritt mit den Worten: “Ich opfere nicht den Erfolg unserer Kunden, um unsere kurzfristige Marge zu optimieren.” Immer mehr Kunden haben Cloud-Software zur Verwendung im Internet angefordert.

In dieser Hinsicht wäre es gegen ihren Willen gewesen, die alten mittelfristigen Ziele, die auf die eigene Rentabilität ausgerichtet waren, beizubehalten. CFO Luka Mucic fügte hinzu, dass das Management das Unternehmen nicht auf der Grundlage der operativen Marge führt. “Wir wollen ein wachsendes Unternehmen bleiben”, sagte der Direktor.

SAP-Kunden sollten Cloud-Angebote kaufen

Mit Investitionen im dreistelligen Millionenbereich will sich SAP in den nächsten zwei Jahren noch stärker auf das Wachstum mit Software über das Internet konzentrieren. In erster Linie müssen bestehende Kunden der SAP-Kernsoftware für die Unternehmensführung jetzt auf Cloud-Angebote umsteigen.

Die schnellere Verlagerung von Kunden auf solche Programme dürfte das zuvor geplante Wachstum der bereinigten operativen Marge (bereinigtes EBIT) bis 2023 auf rund 34% erheblich hemmen, wie SAP am Sonntagabend bekannt gab. Der Vorgänger von Klein, Bill McDermott, setzte sich das Ziel, nachdem er das Wachstum lange Zeit als primäres Ziel vorangetrieben hatte.

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Cloud-Verträge sind nur so lukrativ wie Softwarelizenzen für hohe einmalige Zahlungen auf längere Sicht. Zu Beginn des letzten Jahrzehnts hatte SAP sein eigenes Cloud-Angebot vor allem durch milliardenschwere Akquisitionen gestärkt, in den letzten Jahren jedoch auch eigene Kernprogramme als Cloud-Versionen angeboten. “Wir glauben, dass wir mit den Investitionen unseren Umsatz nach Abschluss der Investitionsphase schneller steigern können”, sagte Mucic.